Seit dem 1. September akzeptiert das Kunsthaus Zürich keine Barzahlungen mehr. Wer ein Ticket kaufen will, muss digital zahlen – mit Karte oder App. Für die meisten Besucher eine Formsache, für den 58-jährigen Zürcher James Heim jedoch ein Ausschlussgrund: Er lebt konsequent bargeldbasiert und wirft der Institution vor, einen Beitrag zur «Überwachungsgesellschaft» zu leisten, berichtet der Tages-Anzeiger.
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Heim, einst Standortförderer für Schweizer Techfirmen im Silicon Valley, hat sich nach eigenen Aussagen bewusst vom «Technik-Mainstream» abgewandt. Er besitzt kein Smartphone, keine Bankkarte und meidet Flugreisen. Die Entscheidung des Kunsthauses, Bargeld abzuschaffen, sieht er als weiteren Schritt in Richtung einer digitalen Totalüberwachung. «Ohne Privatsphäre gibt es keine Demokratie», warnt er im Gespräch mit dem Tages-Anzeiger.
Das Kunsthaus verweist auf betriebswirtschaftliche Gründe: Bargeld sei rückläufig, die Verwaltung aufwendig, die Sicherheit kostspielig. Die Reaktionen auf die Umstellung seien gering gewesen, man habe vereinzelt kritische Rückmeldungen erhalten, heisst es aus der Kommunikationsabteilung.
Dabei sind laut einer Studie der Schweizerischen Nationalbank von 2022 immerhin noch 36 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Barzahler. Rechtlich ist der Entscheid des Kunsthauses zulässig: Laut Bundesgesetz über die Zahlungsmittel darf vom Barzahlungsgebot abgewichen werden – sofern Kunden im Vorfeld klar informiert werden. In diesem Fall geschieht das per Schild am Eingang.
Eine Ausnahme bleibt: Wer unbedingt bar zahlen will, kann das Ticket im nahegelegenen Restaurant Bei Moudi erwerben – für Heim nur ein symbolischer Kompromiss. Sein Fazit: «Jeder Schritt mag klein sein. Aber in Summe verlieren wir die Kontrolle über unsere Freiheit.»