Nach Enthüllungen über einen mutmasslich gross angelegten Korruptionsfall im ukrainischen Energiesektor wächst der Druck auf Präsident Wolodymyr Selenskyj. Laut einem Bericht von Politico haben ukrainische Antikorruptionsbehörden ein Kickback-System aufgedeckt, bei dem über 100 Millionen Dollar geflossen sein sollen – mutmasslich auch mit Beteiligung von Vertrauten Selenskyjs.
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Mehrere EU-Staaten zeigen sich alarmiert und verlangen Klarheit darüber, wie internationale Hilfsgelder verwendet werden. Ein EU-Beamter sprach gegenüber Politico von «widerwärtiger, endemischer Korruption», die das Vertrauen in Kiew gefährde. Zwar stellt derzeit kein Land die finanzielle Unterstützung grundsätzlich infrage, doch die Europäische Kommission werde «überprüfen müssen, wie Mittel künftig ausgegeben werden».
Selenskyj reagierte mit Sanktionen gegen einen früheren Geschäftspartner und Entlassungen im Energieministerium. Auch kündigte er eine «Säuberung» des Nuklearunternehmens Energoatom an – dort sollen sieben Führungskräfte systematisch Schmiergelder aus Verträgen abgeschöpft haben.
Trotz der Vorfälle hält die EU an ihrer Unterstützung fest: Sechs Milliarden Euro neue Hilfen wurden zugesagt, Deutschland erwägt laut Politico drei Milliarden zusätzlich. Dennoch mehren sich Forderungen nach Reformen und mehr Transparenz