Krieg gegen den Iran: Wer kann Trump und Netanjahu jetzt noch vertrauen?
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Krieg gegen den Iran: Wer kann Trump und Netanjahu jetzt noch vertrauen?

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Nachdem die von der CIA, dem Mossad und dem britischen MI6 unterstützten Proteste gegen das Mullah-Regime niedergeschlagen worden waren und der geplante Regimewechsel misslungen war, griffen Donald Trump und Benjamin Netanjahu innerhalb weniger Monate den Iran zum zweiten Mal an, während sie gleichzeitig mit Teheran verhandelten und Friedensbereitschaft vortäuschten.

Jim Lo Scalzo/EPA/Keystone
US-Präsident Donald Trump.
Jim Lo Scalzo/EPA/Keystone

Dass Trump ein notorischer Lügner ist, sagen nicht nur seine Gegner von der Demokratischen Partei. Und Netanjahu steht ihm dabei in nichts nach. Seit drei Jahrzehnten behauptet er, der Iran stünde kurz davor, eine Atombombe zu bauen. Mit dieser Lüge wollte er die USA dazu bringen, das Land anzugreifen. Dass ihm das ausgerechnet bei Donald Trump gelungen ist, der seine Wahl auch mit dem Versprechen gewonnen hat, die US-Kriege in aller Welt zu beenden, zeigt, wie gross der Einfluss der Israel-Lobby mittlerweile in den Vereinigten Staaten ist.

Die US-Geheimdienste stellten in den zurückliegenden Jahren immer wieder klar, dass der Iran noch nicht in der Lage sei, Atombomben zu bauen. Auch der Behauptung Donald Trumps, der Iran verfüge bald über Interkontinentalraketen, die die USA bedrohen könnten, widersprachen die US-Dienste.

Nun könnte man einwenden, auch andere US-Präsidenten hätten mit Lügen Kriege begonnen, man denke nur an den Vietnamkrieg oder an den Irakkrieg. Aber es ist schon ein aussergewöhnliches Betrugsmanöver, zweimal mit einem Land am Verhandlungstisch zu sitzen und während der Verhandlungen dieses Land zu überfallen. Ohne Vertrauen gibt es auch im Nahen Osten keinen Frieden. Aber wer kann Benjamin Netanjahu oder Donald Trump noch vertrauen?

Spätestens seit dem Sechstagekrieg 1967 geht die Welt davon aus, dass Israel Atomwaffen hat, die heute von landgestützten Raketen, Kampfflugzeugen oder U-Booten eingesetzt werden können.

Immer wieder wurde daher seit 1974 vom Iran und von den arabischen Staaten eine atomwaffenfreie Zone für den Nahen Osten vorgeschlagen, zuletzt bei der sechsten Sitzung der Konferenz zur Einrichtung einer atomwaffenfreien Zone im November 2025 in New York. Bei der Abstimmung stimmten 173 Länder mit Ja, 3 mit Nein, 3 enthielten sich, und 14 Länder nahmen an der Abstimmung nicht teil. Aber solange die USA und Israel nicht mitmachen, bleiben solche Abstimmungen folgenlos.

Auf die Idee, dass Europa bei diesem «völkerrechtswidrigen Angriffskrieg» eine vermittelnde Rolle übernehmen könnte, kommt niemand mehr. Vielmehr erweisen sich die selbsternannten Sprecher Europas, Macron, Merz und Starmer, als erbärmliche Speichellecker und Feiglinge. Während Spanien und Norwegen den Angriff auf den Iran verurteilten, forderten sie, «der Iran muss seine willkürlichen Militärschläge unterlassen», und riefen zur «Rückkehr an den Verhandlungstisch» auf. Bedauerlicherweise haben sie Täter und Opfer verwechselt und vergessen, dass die Iraner am Verhandlungstisch sassen und der Aussenminister des Oman einen Durchbruch bei den Verhandlungen meldete, als Trump und Netanjahu das Land überfielen. Den Vogel schoss wieder Bundeskanzler Merz ab: «Völkerrechtliche Einordnungen werden dabei relativ wenig bewirken», sagte er.

Auch die Mainstream-Journalisten stehen stramm. Krieg heisst wieder Krieg oder Konflikt und nicht «verbrecherischer Angriffskrieg». Auch kämen sie nicht auf die Idee, diesen Überfall «Trumps Krieg» oder «Netanjahus Krieg» zu nennen. Die Bundestagsparteien eiern herum und schwanken zwischen Unterwürfigkeitserklärungen und zögerlicher Kritik. Die Moral wird wie so oft zur Hure. Nirgendwo Forderungen nach Sanktionen oder gar Waffenlieferungen, um dem angegriffenen Land beizustehen. Auch die AfD möchte es sich mit ihren republikanischen Freunden und Donald Trump nicht verderben. Immerhin rafft sich die mittlerweile in den Nato-Konsens eingebundene Linke wieder dazu auf, diesen Krieg zu verurteilen.

Stolz verkündete der US-Präsident, dass nicht nur der Oberste Führer Ali Chamenei, sondern auch der «grösste Teil der Führungsriege» des Iran getötet worden sei.

Zähneknirschend müssen Russland und China mitansehen, wie die Vereinigten Staaten und Israel mit ihrem Verbündeten umgehen.

Aber wie lange werden sie sich das gefallen lassen? Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht, sagt ein Sprichwort. Im Atomzeitalter verheisst das nichts Gutes.

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