«Krieg gegen die freie Rede»: Was Macron als Bedrohung der Demokratie versteht, ist Kritik an seiner Person
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

«Krieg gegen die freie Rede»: Was Macron als Bedrohung der Demokratie versteht, ist Kritik an seiner Person

Anhören ( 3 min ) 1.0× +
«Krieg gegen die freie Rede»: Was Macron als Bedrohung der Demokratie versteht, ist Kritik an seiner Person
«Krieg gegen die freie Rede»: Was Macron als Bedrohung der Demokratie versteht, ist Kritik an seiner Person
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Täglich droht der Regierung der Putsch im Parlament und dem Parlament die Auflösung durch den Präsidenten. Täglich erfinden die Abgeordneten Abgaben und Steuern, von denen kein Mensch weiss, was sie einbringen und kosten.

Der Rechnungshof warnt: Die Kosten für die Sécurité Sociale sind «ausser Kontrolle geraten». 415 Milliarden Euro bezahlt der Staat an die Rentner – ein Viertel seines Gesamthaushalts.

STEPHANE MAHE / POOL / KEYSTONE
epa12502100 French President Emmanuel Macron delivers a speech during the 20th edition of the Maritime Economy Conference in La Rochelle, France, 04 November 2025
STEPHANE MAHE / POOL / KEYSTONE

Die Welt sah zu, als dreiste, aber nicht besonders professionelle Einbrecher aus der Banlieue am helllichten Sonntagmorgen wie Fensterputzer kamen und im Louvre die Kronjuwelen stahlen. Sie sind hinter Gitter, die Beute bleibt verschollen.

Mit Pauken und Trompeten übernehmen die Chinesen ein historisches Warenhaus, den BHV – Basar de l’Hôtel-de-Ville, benannt nach dem Pariser Rathaus. Zur Eröffnung wurde bekannt, dass die chinesische Plattform Sexpuppen, die Kindern nachgemacht sind, nach Frankreich liefert.

Der Staat will sich um die Empfänger kümmern. Der Finanzminister posaunt: Wir können Shein verbieten. Als Antwort auf die Empörung haben der BHV und Shein auf der Fassade überlebensgrosse Porträts ihrer strahlenden Direktoren aufgezogen.

Mit der chinesischen Online-Verkaufsplattform Temu hat die französische Post einen Vertrag zum exklusiven Vertrieb ihrer Pakete geschlossen. Der Deal geht einher mit einem Beschluss des Parlaments: Auf jeden Artikel, den die chinesischen Plattformen nach Frankreich schicken, wird eine Abgabe von zwei Euro erhoben. Bei acht T-Shirts sechzehn Euro.

Und was macht Macron? Aus Slowenien verkündet er den Franzosen, dass der vom Parlament beschlossene Rückzug seiner Rentenreform nur provisorisch sei.

Er liefert der amerikanischen Justiz die Beweise, «Fotos und Dokumente», dass seine Frau kein Mann ist. In Paris läuft der Prozess gegen die einheimischen Übermittler des amerikanischen Gerüchts. Zunächst kam es von Putin, jetzt von Trumps Rechtsextremisten.

Verzweifelt hat Macron versucht, in Gaza und in der Ukraine eine Rolle zu spielen.

Jetzt will er die Demokratie vor den «sozialen Netzwerken und Algorithmen» retten. Er veranstaltete ein Forum mit Intellektuellen, Ärzten, Unternehmern. Es ging um die Auswirkungen auf die «Gesundheit der demokratischen Debatte».

Ihr Ziel war es, «eine über das Elysee hinauswirkende Welle» in Gang zu bringen. Doch in Frankreich tendiert das Echo auf Macrons Appell wie das Vertrauen der Bürger in den Präsidenten gegen null.

In Europa ist man noch ein bisschen hellhöriger, wenn Macon sagt, X und Tiktok würden vornehmlich rechtsextreme Inhalte verbreiten. In Brüssel präsentierte er seine Pläne – Altersbegrenzung, Identitätskontrolle, Verantwortung für die Inhalte. In Paris sind sie zum Teil langst umgesetzt – und wirkungslos.

Das britische Magazin Spectator macht in ihnen einen Generalangriff auf die Meinungsfreiheit aus – «einen Krieg gegen die freie Rede». Er unterstellt Macron die Absicht, eine «Architektur» zur Kontrolle der öffentlichen Debatte zu planen. Die Versuchung besteht.

In Frankreich gehören die privaten Medien zehn Milliardären – sie haben 2017 Macrons Wahl möglich gemacht. Sie hält Macron für legitim – die sozialen Netzwerke sind es nicht.

Mit Ausnahme von Vincent Bolloré sind die Medienimperien noch immer den Hoffnungen, die Macron verkörperte, verpflichtet. Bollorés Magazine und Sender sind konservativ und katholisch – und eine Bereicherung der Meinungsvielfalt. Das hindert die linken Zeitungen und die staatlichen Sender nicht daran, sie als «rechtsextrem» und «faschistisch» zu verleumden.

Seit der Auflösung des Parlaments steht es um die Meinungsfreiheit besser als zuvor. Die Medien lassen vermehrt andere Meinungen zu Wort kommen.

Die Fronten bröckeln. Doch noch tobt der rhetorische Religions- und Bürgerkrieg.

Macrons Engagement für die Meinungsfreiheit ist unglaubwürdig. Er verbannte die Journalisten aus dem Elysée.

Die öffentlich-rechtlichen Sender beschimpfte er als «Schande der Republik».

Seine erste Regierungssprecherin gestand, dass sie für den Chef lügen würde.

In Frankreich hat man erkannt: Was Macron als Bedrohung der Demokratie versteht, ist die Kritik an seiner Person.

Die allzu oft unter die Gürtellinie zielt.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.