China erwartet laut einer Analyse des britischen Magazins The Economist strategische Vorteile aus dem Krieg der USA gegen Iran und sieht darin vor allem einen Fehler Washingtons. Das Blatt schreibt unter Berufung auf Gespräche mit chinesischen Diplomaten, Beratern und Experten, in Peking gelte der Konflikt als «schwerer Fehler der USA» und halte dich an die Maxime: «Unterbrich deinen Feind niemals, wenn er einen Fehler macht.»
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In der chinesischen Führung überwiegt demnach die Einschätzung, die USA handelten aus Schwäche heraus. Der militärische Einsatz stehe im Kontrast zu fehlender Strategie und politischer Orientierung. Präsident Donald Trump habe Warnungen ignoriert und mit unklaren Zielen agiert. In Peking wächst laut Bericht die Erwartung, der Krieg könne die Wahrnehmung eines amerikanischen Niedergangs beschleunigen.
Zugleich sieht China Chancen. Ein langwieriger Konflikt würde die USA im Nahen Osten binden und von Asien ablenken. Staaten, die sich auf Washington verlassen, könnten angesichts steigender Energiepreise und Unsicherheit vorsichtiger gegenüber China werden. Parallel bestätigt der Krieg aus Sicht Pekings die eigene Strategie der wirtschaftlichen und technologischen Autarkie. China habe Ölreserven aufgebaut, Energiequellen diversifiziert und versuche, kritische Lieferketten selbst zu kontrollieren.
Auch wirtschaftlich rechnet Peking mit Vorteilen. Der Wiederaufbau in der Golfregion sowie die Nachfrage nach chinesischer Energie- und Solartechnologie gelten als mögliche Geschäftsfelder. Gleichzeitig hofft China, eine geschwächte US-Regierung zu Zugeständnissen bei Zöllen und Exportkontrollen bewegen zu können.
Doch es gibt auch Vorbehalte. Chinesische Experten zeigen sich laut Bericht überrascht vom Einsatz künstlicher Intelligenz durch das US-Militär. Zudem wächst die Sorge vor wirtschaftlichen Schäden bei einer langen Eskalation.