Die Ukraine treibt den Aufbau privater Militärdienstleister voran und will damit einen neuen Exportzweig im Sicherheitsbereich etablieren. Der ukrainische Militärberater Fedir Serdjuk sagte zu Euractiv: «Wir erleben wahrscheinlich die Entstehung einer ganz neuen grossen Industrie ukrainischer privater Verteidigungsdienstleister.»
Auslöser ist die steigende Nachfrage nach ukrainischer Kriegserfahrung, vor allem bei Drohnenabwehr und Luftverteidigung. Bereits heute entsendet Kiew Fachleute ins Ausland, etwa in den Nahen Osten, um dort Armeen zu beraten. Solche Einsätze sind innenpolitisch nicht unumstritten, da sie Kräfte von der Front abziehen. Die Regierung versucht, dies durch Gegenleistungen abzufedern, und knüpft die Missionen an finanzielle oder materielle Unterstützung im Krieg gegen Russland.
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Privatfirmen sind in der Ukraine bislang nicht zugelassen. Doch in Kiew gewinnt das Thema an Gewicht. Die Parlamentsabgeordnete Halyna Jantschenko bestätigt, dass an entsprechenden Gesetzen gearbeitet wird. Der Staat könnte damit Aufgaben auslagern und zugleich politischen Druck reduzieren.
Ein entscheidender Punkt ist die grosse Zahl erfahrener Soldaten. 2025 zählte die Ukraine rund 900.000 aktive Militärangehörige. Perspektivisch dürften private Anbieter vor allem Veteranen beschäftigen. Das gilt auch als Möglichkeit, ehemalige Soldaten nach dem Krieg in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Gleichzeitig warnen Fachleute vor Nebenwirkungen. Ein Analyst des Foreign Policy Research Institute sagte: «Sowohl Russland als auch die Ukraine werden über grosse Mengen gutausgebildeter Drohnen- und anderer UAV-Operatoren verfügen, die es schwer haben könnten, eine Beschäftigung zu finden.»
Der Aufbau regulierter Anbieter erscheint damit auch als Versuch, diese Entwicklung zu steuern und ein Abgleiten in unkontrollierte Strukturen zu verhindern.