«Linke Journalisten muss man bei der SRG mit der Lupe suchen.» Das sagte SP-Nationalrätin Jacqueline Badran beim jüngsten «Club» auf SRF.
Entweder hat sie gar nicht erst gesucht, oder die bewusste Lupe muss dringend mal wieder geschrubbt werden. Drei von vier Schweizer Journalisten bezeichnen sich laut Befragungen selbst als links. Aber keiner von ihnen arbeitet bei der SRG?
Wie ist es dann zu erklären, dass wir bei «Meteo» regelmässig zum Kampf gegen den Klimawandel aufgefordert werden? Dass eine Frankreich-Korrespondentin live in Jubel über die Niederlage der rechten Präsidentschaftskandidatin ausbrach? Und Amerika-Korrespondenten kommentieren, als würden sie zum Wahlkampfkomitee der Demokraten gehören?
Die abenteuerliche Aussage passt zum gesamten Auftritt. Vier Befürworter und vier Gegner der Halbierungs-Initiative kreuzten die Klingen vor der Kamera – aber nur Badran brachte kein einziges Wort der Kritik an der SRG über die Lippen. Phasenweise wirkte es, als würde sich der Papst für die Bibel ins Zeug legen.
Die «Arena» nenne man bei der SP intern «Tele SVP», so Badran, weil dort vor allem die Kernthemen dieser Partei diskutiert würden: «Asyl, Migration und die EU.»
Das sind erstens nun mal zentrale aktuelle Fragen. Und zweitens: Wer hindert denn Linke daran, bei diesen Themen zu punkten, wenn sie gute Argumente haben? Moderator Sandro Brotz kaum, der linke Diskutanten im Streichelmodus behandelt und auch schon mal einen SVP-Nationalrat vor der Kamera als Rassisten hinstellte.
In den sozialen Medien schürt Jacqueline Badran die Angst vor einer geschwächten SRG, weil Milliardäre in der Schweiz im grossen Stil Medien kaufen und so ihre Agenda verbreiten. Man fragt sich als verdutzter Konsument, an welchem Kiosk man diese rechtsgerichteten Massenmedien von reichen Bonzen findet.
Der «Club» wurde übrigens für einmal nicht im Studio, sondern am Stammtisch einer Beiz in Altdorf aufgezeichnet. Das war eine gute Idee.
Seltsam und vielsagend nur, dass SRF erst zwei Monate vor einer entscheidenden Abstimmung beschliesst, sich zur Abwechslung mal unter das einfache Volk zu mischen.