Legitim im Recht, verlogen im Protest: Gretas Gaza-Flotilla als Bühne europäischer Doppelmoral
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Legitim im Recht, verlogen im Protest: Gretas Gaza-Flotilla als Bühne europäischer Doppelmoral

Die Aufbringung der Gaza-Flotilla durch die israelische Marine hat in Europa eine enorme Protestwelle ausgelöst. Was Völkerrechtler als legitime Sicherheitsmassnahme einstufen, wird auf den Strassen von Genf, Bern, Mailand, Berlin, London oder Madrid als brutaler Angriff auf das humanitäre Gewissen Europas verstanden.

MOHAMED MESSARA / KEYSTONE
epa12361064 Swedish climate activist Greta Thunberg (C) participates in a demonstration of support for the Global Sumud Flotilla, which will arrive in the port of Sidi Bou Said, Tunisia, 07 September 2025
MOHAMED MESSARA / KEYSTONE

Die Bilder dieser Demonstrationen zeigen Transparente, Fahnen und Slogans, die Israels Blockadepolitik als «kollektive Bestrafung» brandmarken. Für viele ist das Abfangen der Schiffe nicht nur eine Frage der Moral, sondern auch eine Frage des Rechts. Denn laut Genfer Konvention ist die Besatzungsmacht verpflichtet, die Versorgung der Zivilbevölkerung sicherzustellen und Hilfslieferungen zuzulassen.

Doch laut Völkerrecht war das Aufbringen der Flottille durchaus in Ordnung. Das ist nicht nur die Meinung in Jerusalem, sondern auch diejenige europäischer Völkerrechtler. Erstens ist Israel als Besatzungsmacht für die Sicherheit im Gazastreifen verantwortlich und ist deshalb verpflichtet, Zivilisten vor den Gefahren des Gazastreifens zu schützen. Das unkontrollierte Durchlassen der Flottille hätte die Teilnehmer zudem nicht nur in ein Kriegsgebiet geführt, sondern auch die Gefahr verdeckter Waffenlieferungen erhöht.

Zweitens ist Israel laut Völkerrecht nur verpflichtet, humanitäre Hilfe von anerkannten internationalen Organisationen zuzulassen. Dieses Kriterium erfüllt die Hilfsflotte nicht, die aus zusammengewürfelten Gruppen aus verschiedenen Ländern besteht. Mehr als das: Sie steht mutmasslich der Hamas nahe und wurde von ihr möglicherweise sogar organisiert. Das israelische Alternativangebot, die Güter über den Hafen von Aschdod nach Gaza zu bringen, wurde von den Organisatoren abgelehnt: Den Gaza-Sympathisanten ging es nie um echte Hilfeleistung, sondern ausschliesslich um Provokation.

Drittens hat sich die israelische Marine, die die rund vierzig Schiffe und 400 Aktivisten aufgebracht hat, gründlich auf die Operation «Verhinderung der Weiterfahrt nach Gaza» vorbereitet. Deshalb gab es keine Verletzten. Die aufgegriffenen Personen wurden entweder zur Ausreise bewegt oder vorübergehend inhaftiert, unter Beobachtung internationaler oder nationaler Delegationen.

Die Flottillen-Episode verdeutlicht: Gaza ist längst nicht mehr nur ein Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen, sondern ein Symbol für die Frage, ob Sicherheit und Völkerrecht im Konfliktfall Vorrang haben, oder ob sich Europa an einem moralischen Imperativ orientiert, der über das Recht hinausgeht.

Wie sonst lässt sich erklären, dass keine Flottille an die Küsten des Jemen oder des Sudan gesegelt ist, obwohl dort seit über zehn Jahren Hunger, Elend und Kriege toben? Aber offenbar lässt sich mit diesen Tragödien kein moralischer (und scheinheiliger) PR-Glanz entfalten.

Anders gefragt: Können Greta und ihre privilegierten Freunde nicht stattdessen dorthin segeln?

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.