Der Schweizerische Städteverband befürwortet das Stromabkommen mit der EU. Dieses sei für die «Sicherstellung der Stromversorgung der Schweiz von grosser Bedeutung», sagt der Verband, dem über 100 Städte und bevölkerungsreiche Gemeinden angehören.
Widerstand kommt nun aus dem linken Lausanne: Die Stadt am Genfersee gehört zu denjenigen Verbandsmitgliedern, die das Abkommen ablehnen. Stadtrat Xavier Company (Grüne), verantwortlich für die industriellen Dienste, rechnet damit, dass der Strom künftig teurer werden könnte, weil das Abkommen eine Liberalisierung vorsehe. Seine Kritik machte der linke Politiker diese Woche in der Zeitung Le Temps publik. Mit der Öffnung des Marktes würden die «Stromkosten steigen», befürchtet Company, der die «Preisstabilität» bedroht sieht. Derlei Entwicklungen seien in einigen Ländern, darunter Frankreich, bereits zu beobachten.
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Company geht zudem davon aus, dass das Abkommen die Finanzierung erneuerbarer Energien gefährde. «Wir müssen über einen Zeitraum von achtzig Jahren mehrere Hundert Millionen Franken in das Wasserkraftwerk Lavey investieren, das uns gehört. Dieser Betrag kann nur eingesetzt werden, wenn wir sicher sind, dass wir genügend Kunden haben.»
Die Liberalisierung des Strommarktes mache die Situation unsicherer. Der grüne Stadtrat befürchtet, dass Stromnetzbetreiber künftig kein Geld mehr in die Energiewende investieren würden.
Dass ausgerechnet aus Lausanne – einer linken Hochburg – Kritik kommt, ist bemerkenswert. Mit seiner Ablehnung geht Company auch auf Konfrontationskurs zu seiner eigenen Partei. Die Grünen sehen das Stromabkommen als Segen für die Energiewende.