Er tut einem leid, irgendwie. Der britische Premierminister Keir Starmer steht wie ein Schuljunge nach verpatztem Examen vor dem Unterhaus.
Nicht zum ersten Mal; noch und noch muss er sich für sein Scheitern entschuldigen. Aber etwas ist gerade anders, seine Finanzministerin Rachel Reeves schluchzt nämlich herzzerreissend neben ihm. Die beiden müssen vor laufender Kamera eingestehen, dass ihr nobles Vorhaben, die Sozialausgaben im Zaum zu halten, gescheitert ist.
PA Wire/PA Images
Die jetzt schon horrenden Staatsschulden werden weiterwachsen. So will es die Labour-Linke, die Starmer noch und noch vorführt. Er hatte sein Amt als geläuterter Sozialdemokrat angetreten, dem revolutionäres Pathos fremd ist. Doch nach einem Jahr muss er erleben, dass er an seinem Vorgänger als Parteiführer, dem Linkspopulisten Jeremy Corbyn, nicht vorbeikommt. Er und seine Entourage diktieren Starmer ihre Agenda der Umverteilung. Mit jedem Anflug von dessen Schwäche schrauben sie ihre Forderungen höher.
Jetzt erwägt die Stahlhelmfraktion sogar die Gründung einer neuen Partei, links von Labour. Das mag Starmer vollends betrüben, freut aber die bürgerliche Opposition von Konservativen und Reform UK.
Kannibalisiert sich die Linke, haben sie endlich eine Chance, vom Bankrott dieser Regierung zu profitieren. Besonders dann, wenn Starmer und sein weinendes Kabinett kapitulieren und zurücktreten. Das könnte schneller gehen, als man heute meint.