Normalerweise sind die britischen Wettbüros ein schlechter Ratgeber, wenn es um die Literaturnobelpreisträger geht. Letztes Jahr etwa stand Han Kang, die Gewinnerin aus Südkorea, mit einer Quote von 33:1 auf der Liste. Nun lagen die Buchmacher für einmal nicht schlecht: László Krasznahorkai lag auf dem zweiten Platz der Favoriten.
JANOS MARJAI / KEYSTONE
Der von Kafka beeinflusste 71-jährige Ungar erhielt den Preis «für sein überwältigendes und visionäres Werk, das inmitten eines apokalyptischen Terrors die Kraft der Kunst bekräftigt», wie die Jury in ihrer Begründung festhielt.
László Krasznahorkai ist in der ungarischen Kleinstadt Gyula in einer gutbürgerlichen jüdischen Familie aufgewachsen. Er studierte Jura, dann Hungaristik und Philosophie. Ein rastlos Reisender schon in jungen Jahren, hielt er sich in China, der Mongolei und Japan auf, eine Weile auch in New York. Heute lebt er in der Nähe von Budapest und Berlin.
Zuletzt auf Deutsch erschienen sind von Krasznahorkai die drei Erzählungen «Im Wahn der Anderen» (2023). Sie sind beispielhaft für den sprachlichen Sog, mit dem der Schriftsteller seine Leser in eine unheimliche Welt des Wahnsinns und des Untergangs hineinzieht, aus der es kein Entrinnen gibt.