Die Stadt Brüssel kann einem leidtun. Sie ist, wegen der dort angesiedelten EU-Institutionen, zum Symbol für Zentralismus, autoritäre, undemokratische Politik, Überregulierung und Bürokratie, Bürgerferne, Korruption geworden – bis hinauf zum «Ursula-Gate» und «SMS-Gate» der Kommissionspräsidentin von der Leyen.
Kurz: Brüssel steht für einen Moloch, der, profitiert man selbst nicht von seiner berühmten Blase, mit der dunklen Seite des Monds assoziiert wird. Wer «Brüssel» hört, dem stellen sich die Nackenhaare auf.
Das gilt auch für Länder wie die Schweiz, die zwar nicht Mitglied im Klub ist, aber dennoch den kalten Hauch der Brüsseler Macht zu spüren bekommt.
Doch Brüssel ist nicht nur EU-Brüssel, wie ein Besuch zeigt, auch wenn wir, zugegeben, nicht wegen Brüssel als Brüssel, sondern eben wegen seiner Funktion als Herz der EU-Finsternis dorthin gefahren sind – sondern eine faszinierende Stadt.
Geht man vom EU-Viertel Richtung Downtown, streift man den Arbeitspalast der belgischen Könige, eine Art Klein-Louvre, am Museumsberg hat man die ganze Vielfalt der Kultur, dann öffnet sich ein fantastischer Blick auf das tiefer liegende historische Zentrum, auf den Turm der gotischen Kathedrale, und man sieht bereits die Giebel der vergoldeten Gildenhäuser vom Ende des 17. Jahrhunderts am Grand-Place oder Grossen Markt, die einen der schönsten Plätze Europas bilden, nachdem dieser Teil der Stadt zuvor vom französischen «Sonnenkönig», auch er ein Fürst der Finsternis, in einem Anfall von staatlicher Vernichtungswut dem Erdboden gleichgemacht worden war, woran eine lateinische Inschrift am Zunfthaus der Schneider erinnert («Der Schneider restauriert die Häuser, die die feindliche Wut mit Feuer zerstört hatte ...»).
Von kulinarischen Leckerbissen wie Charbonnade, Moules et frites, Waffeln oder vom Triple-Bier brauchen wir gar nicht zu reden. Wir wollen auch nicht zu lange werden, und den Sack mit dem Satz zumachen: Lang lebe Brüssel, Tod der EU!