Pakistan hat Luftangriffe auf mehrere Ziele in Afghanistan geflogen und spricht von einem «offenen Krieg» gegen die Taliban. Das berichten die New York Times unter Berufung auf Vertreter beider Länder. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte: «Unser Geduldsfaden ist gerissen. Jetzt ist es ein offener Krieg zwischen uns und euch.»
Wahidullah Kakar/AP Photo/Keystone
Gemäss den Angaben trafen die Angriffe die Hauptstadt Kabul sowie die südliche Stadt Kandahar, wo sich der oberste Taliban-Führer aufhält, und die Grenzprovinz Paktia. Vorausgegangen waren Gefechte an der Grenze. Pakistan spricht von Angriffen afghanischer Truppen auf seine Grenzposten. Die afghanische Seite bezeichnete ihr Vorgehen als Reaktion auf frühere pakistanische Angriffe.
Wie viele Menschen bei den Luftschlägen und Gefechten ums Leben kamen, ist unklar. Beide Seiten erklärten, Dutzende Kämpfer der jeweils anderen Seite getötet zu haben. In Kabul soll unter anderem ein Munitionslager bombardiert worden sein.
Hintergrund der Eskalation sind seit Monaten wachsende Spannungen. Pakistan wirft der Taliban-Regierung vor, die pakistanischen Taliban – die Tehreek-e-Taliban Pakistan – im Land zu dulden. Diese Gruppe verübt seit Jahren Anschläge in Pakistan. Die Taliban weisen die Vorwürfe zurück und machen Pakistan für eigene Sicherheitsprobleme verantwortlich.
Die Kämpfe treffen auch die Zivilbevölkerung. Grenzübergänge sind immer wieder geschlossen, der Handel leidet, viele Menschen wurden in den vergangenen Monaten zur Ausreise aus Pakistan gezwungen. Eine im Oktober vereinbarte Waffenruhe hielt nicht. Vermittlungsversuche blieben bislang erfolglos.