Der Tod des 23-jährigen Quentin in Lyon löst in Frankreich eine Welle der Empörung aus. Der Student war am Donnerstag am Rande einer Demonstration gegen einen Auftritt der linken EU-Abgeordneten Rima Hassan schwer verletzt worden und starb zwei Tage später im Krankenhaus an einer Hirnblutung. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass die Täter des Angriffs noch nicht identifiziert wurden. Ermittlungen wegen tödlicher Körperverletzung wurden eingeleitet.
Josselin Clair/Keystone
Wie die französische Zeitung Le Monde berichtet, befand sich Quentin im Sicherheitsdienst des Collectif Némésis, dessen Aktivistinnen gegen Hassan protestierten. Hassan ist für scharfe Kritik an Israel bekannt und hatte mit Aussagen zur Hamas-Krise bereits zuvor Debatten ausgelöst. Laut Némésis waren die Demonstrierenden von einer grösseren Gruppe mutmasslicher Antifa-Anhänger attackiert worden. Videos von TF1 zeigen mehrere junge Männer, die am Boden liegend von mehreren vermummten Personen getreten werden. Zwei von ihnen entkommen – aber ein dritter, der als Quentin identifiziert wurde, bleibt regungslos auf dem Boden liegen. Der Familienanwalt sprach von einem «Hinterhalt», «methodisch vorbereitet» durch organisierte Angreifer.
Der Fall wird politisch aufgeladen: Sicherheitskreise bestätigten, dass Quentin wegen massiver Schädelverletzungen zusammenbrach und wenig später reanimationspflichtig wurde. Präsident Emmanuel Macron verurteilte das «unerhörte Ausmass der Gewalt», mahnte jedoch zu «Ruhe, Zurückhaltung und Respekt». Rechte Politikerinnen wie Marine Le Pen werten den Angriff hingegen als «Lynchmord» und fordern harte Strafen für die mutmasslich linksextremen Täter.
Das Collectif Némésis, bekannt für provokante Aktionen gegen Islamismus und Migrationspolitik, spricht von gezielten Angriffen auf seine Mitglieder. Bei der Demonstration in Lyon trugen Aktivistinnen Transparente wie «Islamo-Linksradikale raus aus unseren Universitäten!». Laut Gruppenleiterin Alice Cordier beteiligten sich nur wenige Frauen an dem Protest, begleitet von Unterstützern, die in der Umgebung für Sicherheit sorgen sollten. Quentin und ein Begleiter hatten sich kurz von der Masse entfernt, bevor sie angegriffen wurden.
Aus identitären Kreisen wurde der Vorwurf erhoben, unter den Angreifern sei ein Mitarbeiter eines Abgeordneten der linken Partei La France Insoumise gewesen, was die Partei zurückweist. Hassan betonte, ihr offizieller Sicherheitsdienst habe «nie Gewalt angewendet» und sei nicht beteiligt gewesen. Die Behörden verstärken nun die Überwachung politischer Versammlungen. In Paris ist ein Gedenkmarsch für Quentin angekündigt.