Die scheidende EU-Energiekommissarin Kadri Simson hat vor einem Gasgeschäft gewarnt, bei dem russisches Gas durch Umdeklarierung als aserbaidschanisches Gas nach Europa gelangen könnte.
Dieses sogenannte «Swap»-Abkommen wird derzeit zwischen Energieunternehmen aus der EU, der Ukraine und Aserbaidschan verhandelt. Dabei soll Gas aus Russland über die Ukraine nach Europa fliessen, jedoch unter dem Label «aserbaidschanisch».
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Simson kritisierte das Vorhaben als «völlig unnötig», da europäische Firmen auch direkt an der ukrainisch-russischen Grenze russisches Gas kaufen könnten. Derartige Abmachungen untergraben laut ihr die Bemühungen der EU, sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine von fossilen Brennstoffen aus Russland zu lösen.
Zwar strebt die EU an, bis 2027 vollständig auf russisches Gas zu verzichten, doch derzeit unterliegen Gasimporte keinen Sanktionen.
Das Geschäft würde besonders den regierungsnahen Energieunternehmen in Ungarn und der Slowakei zugutekommen, die weiterhin stark auf russisches Gas setzen. Kritiker warnen zudem, dass ein plötzlicher Lieferstopp die Gaspreise mitten im Winter weiter in die Höhe treiben könnte.
Die Ukraine, die jährlich rund eine Milliarde Dollar durch Transitgebühren einnimmt, steht angesichts der unsicheren Verhandlungen mit Aserbaidschan vor erheblichen finanziellen Einbussen. Gleichzeitig drohen Russland Verluste in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar, sollte der Gasfluss durch die Ukraine eingestellt werden.
Obwohl Gespräche über alternative Gasrouten durch die Türkei und den Balkan laufen, bleibt die Herkunft des Gases schwer nachvollziehbar. Experten zweifeln daran, dass die EU effektiv überwachen kann, ob das Gas tatsächlich aus Aserbaidschan stammt.