Die Schweiz hat’s erwischt: 39 Prozent Zoll – ein Schock. Und während die Exportwirtschaft hyperventiliert, witzelt Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter am 1. August auf dem Rütli, sie habe Trump gesagt, die Schweiz gebe es seit 1291. Gelächter auf den Festbänken – aber kaum im Weissen Haus.
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Wie konnte das passieren? Ein Blick ins Drehbuch der Schweizer Aussenpolitik zeigt: Wir sind nicht bereit für die Trump-Show. Wir spielen Laientheater – er dreht Reality-TV. Zeit für eine Lektion in Verhandeln für Dummies.
Zuerst: Die fünf Todsünden der Schweizer Verhandlungstaktik.
Fehler eins: Die Schweiz verwechselt Diplomatie mit Anstand: lächeln, zuhören, Rivella anbieten – höflich bis zur Selbstaufgabe. Trump hingegen will keinen Smalltalk – er will einen Deal, den er nicht ignorieren kann. Sonst: «You’re fired.»
Fehler zwei: Andere aktivieren den Krisenmodus – die Schweiz die automatische Abwesenheitsmeldung. Während anderswo Task-Forces rotieren, meldet Bern: «Ich bin am 15. zurück, in dringenden Fällen wenden Sie sich an …» – falscher Zeitpunkt für Siesta-Demokratie.
Fehler drei: Keller-Sutter allein am Draht. Kein Parmelin, kein Seco, kein doppelter Boden. Ein diplomatischer Alleingang mit Minenfeld-Garantie.
Fehler vier: «Sorry, nicht mein Dossier.» Wenn’s brennt, zeigt jeder auf den anderen. In der Schweiz fast schon Volkssport – aber in der Krise ein klassisches Eigentor.
Fehler fünf: die Moralkeule. Die Schweiz hält gern Ethikvorlesungen. Doch Trump stellt auf Durchzug, sobald der Zeigefinger kommt. Wer gewinnen will, braucht Argumente, keine Haltung.
Die gute Nachricht lautet: Auch für diplomatische Spätzünder gibt’s Hoffnung.
Hier kommt der 5-Punkte-Masterplan:
Zug eins: Sofortflug nach Washington. Nicht um zu kuschen – sondern um Swiss Power zu inszenieren.
Zug zwei: Kleine Schweiz, grosse Klappe. Trump verachtet Zwerge. Also sag nicht: «Wir sind offen für Kompromisse.» Sondern: «Wir sind das digitale Fort Knox auf diesem Planeten.»
Zug drei: Überraschungsdeal mit twist. Trump liebt dramatische Wendungen. Sag: «Wir kaufen 50.000 Tonnen US-Gas – und du lässt unsere Pharma in Ruhe.» Oder: «Wir bauen dir einen unterirdischen Swiss-Express von Washington nach Mar-a-Lago – inklusive Käsefondue-Waggon.»
Zug vier: Hinterzimmer-Diplomatie mit Show-Effekt. Schick keinen Beamten, schick ein Ereignis:
- Roger Federer mit Gold-Racket
- Alain Berset mit Sonnenbrille
- Einen Muotathaler Wetterschmöcker mit Cowboy-Hut
Zug fünf: Nutze Trumps Tricks aus «The Apprentice»
- «You blink, you lose» – Fehler kosten den Job. Schwäche wird abserviert.
- «Think big» – klein denken heisst verlieren. Nur grosse Auftritte haben Wirkung.
- «Be a killer – not a whiner» – Opferhaltung ist Gift. Spiele offensiv.
- «Sell yourself» – Nicht das Produkt zählt – sondern wie du es inszenierst.
Kurz: Mach Trump zum Helden: «Nur du kannst den transatlantischen Handel retten – durch einen fairen Schweiz-Deal.» Gib ihm die Bühne – nimm dir den Vertrag.
Und zum Schluss:
Wenn der Gegner laut ist – sei leise.
Wenn der Gegner gross ist – sei schlau.
Und wenn der Gegner Trump ist – sei unterhaltsamer als er.