Mann ohne Kompass? Donald Trumps Drohung mit dem «Untergang einer ganzen Zivilisation» markiert einen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft. Mit apokalyptischer Rhetorik wird er das Mullah-Regime nicht in die Knie zwingen
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Mann ohne Kompass? Donald Trumps Drohung mit dem «Untergang einer ganzen Zivilisation» markiert einen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft. Mit apokalyptischer Rhetorik wird er das Mullah-Regime nicht in die Knie zwingen

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Mann ohne Kompass? Donald Trumps Drohung mit dem «Untergang einer ganzen Zivilisation» markiert einen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft. Mit apokalyptischer Rhetorik wird er das Mullah-Regime nicht in die Knie zwingen
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Die Apokalypse wurde noch einmal aufgeschoben. Durch eine Vermittlungsaktion der Pakistaner in letzter Minute.

Nicht aufgehoben werden können Trumps Worte vor dem Ultimatum.

«Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen und nie wieder auferstehen. Ich möchte nicht, dass das geschieht, aber es wird wahrscheinlich so kommen», schrieb Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social.

Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
Donald Trump spricht mit Reportern im Weissen Haus
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Es war nicht die erste apokalyptische Drohung, die Donald Trump Richtung Teheran abgefeuert hatte. Am Ostersonntag tobte er: «Öffnet endlich die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, sonst werdet ihr in der Hölle landen.»

Seine Tirade vor Ablauf seines Ultimatums Dienstagnacht markiert einen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft. Die eskalierende Rhetorik ist die eines Mannes, der den Kompass verloren hat.

Der Iran ist der Erbe der jahrtausendealten persischen Zivilisation, einer der einflussreichsten in der Geschichte der Menschheit.

Kyros der Grosse schuf im 6. Jahrhundert vor Christus die erste Charta der Menschenrechte.

Die Perser errichteten mit der «Königsstrasse» eines der ersten organisierten Postsysteme der Welt. Sie entwickelten antike Kühlschränke und unterirdische Bewässerungssysteme.

Iranische Gelehrte wie Avicenna prägten die europäische Medizin. Ohne Al-Chwarizmi, Begründer der Algebra, wären Blüten der heutigen Wissenschaften undenkbar.

Iranische Dichter wie Rumi, Hafis und Saadi beeinflussten Goethe und die Weltliteratur. Sie beflügeln heute die Opposition, die gegen das islamische Regime aufgestanden ist.

Die iranische Zivilisation lebt fort in historischen Denkmälern. In der antiken Palaststadt Persepolis und in prachtvollen Moscheen in Isfahan.

Wer droht, diese «ganze Zivilisation» auszulöschen, ist entgleist.

Sollte Trump zur Tat schreiten, würde er sich in die Riege von Barbaren einreihen – wie die Taliban, welche die Buddhas von Bamiyan in die Luft sprengten. Oder die Dschihadisten des Islamischen Staates, die im syrischen Palmyra wüteten.

Man kann versuchen, Trumps Worte umzudeuten. Er könnte die «Zivilisation» des iranischen Regimes gemeint haben, das 1979 an die Macht kam. Im selben apokalyptischen Tweet schrieb er auch: «47 Jahre Erpressung, Korruption und Tod werden endlich ein Ende finden. Gott segne das grossartige Volk des Iran!»

Oder er könnte mit «civilisation» die zivile Infrastruktur des Landes gemeint haben. Seit mehr als zwei Wochen warnt der US-Präsident, er werde die Zerstörung der zivilen Infrastruktur des Iran, darunter Brücken und Kraftwerke, anordnen, sollten seine Forderungen – namentlich die Öffnung der Strasse von Hormus – nicht erfüllt werden.

Offensichtlich bezweckte er mit der Endzeitrhetorik, das islamische Regime in die Knie zu zwingen. Dieses Ziel wird er damit kaum erreichen. Sollte er die Zerstörung der Infrastruktur befehlen, wird die Bevölkerung leidtragend sein.

Der «epische Zorn», den Trump mit seinen Worten zum Ausdruck bringt, manifestiert das Offensichtliche: Der Krieg läuft nicht, wie er will.

Das iranische Regime trotzt der militärischen Überlegenheit der Amerikaner und Israelis. Jeden Tag, an dem es an der Macht bleibt, feiert es einen Sieg. Es gibt bis dato keine Anzeichen, dass es unter dem Bombenhagel einbrechen wird.

Auch dies scheint Trump nicht sehen zu wollen. Er schreibt in seinem Tweet von einem vollendeten «Regimewechsel».

«Jetzt, da wir einen vollständigen und umfassenden Regimewechsel haben, bei dem andere, klügere und weniger radikalisierte Köpfe die Oberhand gewinnen, kann vielleicht etwas revolutionär Wunderbares geschehen – wer weiss?»

Von einem Regimewechsel kann aktuell nicht die Rede sein.

Trumps Gedankenwelt ist erratisch.

Seine Anhänger loben Trumps Regierungsform der «strategischen Unsicherheit» als Mittel zur Verunsicherung des Gegners und zur Erzwingung von vorteilhaften Deals. Doch wenn sie dauernd und überall eingesetzt wird, verliert sie an Wirkung. Sie verunsichert weniger Feind als Freund. Sie stiftet vor allem eines: Chaos.

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