«Franzosen und Russen gehört das Land, das Meer gehört den Britten, wir aber besitzen im Luftreich des Traums die Herrschaft unbestritten» – so dichtete einst Heinrich Heine. Dass sich an des Deutschen Neigung zur Traumtänzerei und zur Realitätsverweigerung in den letzten zweihundert Jahren wenig geändert hat, kann man in diesen Tagen wieder erleben.
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Angesichts der möglichen Inhalte von Donald Trumps Friedenplan verfiel die deutsche Medienlandschaft umgehend in den Empörungsmodus. Allein die Vorstellung, die USA könnten die Krim als Teil Russlands akzeptieren, sorgte für kollektive Schnappatmung.
Stellvertretend für viele Medienschaffende verstieg sich Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, zu der Behauptung, hier handele es sich um einen Diktatfrieden. Europa dürfe diesen Plan nicht einmal diskutieren, so der Springer-Chef.
Aufregung, Entsetzen, Empörung, Diskussionsverbot. So reagiert man im Land der Wolkenkuckucksheime auf den Trumps Friedenplan. Allerdings verrät keiner der deutschen Schreibtischkrieger, was die Alternative wäre. Russland militärisch aus den besetzen Gebieten vertreiben? Die Krim zurückerobern? Wie? Mit welchen Mitteln? Welchen Waffen? Welchen Soldaten?
Diese Fragen können die Produzenten markiger Durchhalteparolen natürlich nicht beantworten. Einen wirklichen Plan, irgendetwas Realistisches, das auch nur ansatzweise umsetzbar wäre, hat man nicht im Angebot. Stattdessen schwadroniert man lieber von Werten und Prinzipien. Weltfremder geht es kaum.
Donald Trump hat die Lage erkannt. Und mit der ihm eigenen brutalen Logik die naheliegenden Schlüsse gezogen. Wer das beklagt, zeigt lediglich, dass er im Grunde nicht politikfähig ist. Und wer wirklich meint, man könne Russland zwingen, die Krim zurückzugeben, dem ist vermutlich wirklich nicht mehr zu helfen.
Man könnte über diese Weigerung zur Realitätswahrnehmung spotten, wie einst Heine es tat. Das Dumme ist nur: Unsere zeitgenössischen Traumtänzer träumen keine harmlosen Träume, sondern ziemlich blutige und gefährliche.