Deutschlands Arbeitnehmern drohen bis 2035 deutlich höhere Abzüge vom Gehalt. Laut einer aktuellen Prognose des IGES-Instituts im Auftrag der Krankenkasse DAK könnten die Sozialabgaben für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung auf insgesamt 50 Prozent des Bruttolohns steigen – ein historischer Höchststand. Aktuell liegt die Belastung bei 42,7 Prozent, aufgeteilt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
JULIAN STRATENSCHULTE / KEYSTONE
Betroffen wären Millionen: Wer heute 2500 Euro brutto verdient, müsste demnach monatlich 91 Euro mehr an Sozialabgaben zahlen. Bei 4500 Euro brutto würde die Zusatzlast 164 Euro monatlich betragen.
DAK-Chef Andreas Storm warnt vor einem strukturellen Kollaps der Sozialsysteme: «Diese dramatische Entwicklung sollte für alle Beteiligten ein letzter Warnschuss sein, um schnell und mutig die notwendigen Reformen anzugehen.» Die Lücke in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung könnte laut Studie 2027 bereits 17 Milliarden Euro betragen.
Storm schlägt ein Reformpaket in drei Schritten vor: Erstens, gesetzliche Ausgaben nicht stärker steigen lassen als die Einnahmen. Zweitens, gezielte Steueranpassungen – Senkung der Mehrwertsteuer auf Medikamente, Erhöhung bei Tabak und Alkohol. Drittens, Strukturreformen etwa im Klinikbereich zur langfristigen Kostensenkung.
Die Studienautoren kritisieren: Die bisherigen Massnahmen der Bundesregierung reichen nicht aus, um den Anstieg der Beiträge wirksam zu bremsen. Sollte die Politik nicht eingreifen, droht eine massive Nettolohn-Erosion – ausgerechnet in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit.