*Musik* Grüezi miteinander, ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begrüsse Sie einmal mehr zu einer Folge von Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgeli. Und wir geniessen hier vor der laufenden Kamera bereits ein bisschen diese Januarsonne. Sie hören vielleicht auch etwas Möwengeschrei, die picken da vom Boden bestimmte Gegenstände ab. Es gibt Passanten und wir befinden uns hier sozusagen im Epizentrum der schweizerischen Finanzmacht. Ich glaube man darf das so ausdrücken, aber ich möchte nicht länger werden mit meiner Einführung, sondern Das Wort gleich unserem Historiker übergeben, Christoph Mörgel. Ja, wir sprechen heute über die Nationalbank, über die SNB. Das ist ja sozusagen die Stabilitätsbank, sozusagen der Gold- und Geldtresor der schweizerischen Eidgenossenschaft. Was ist da relevant? Was ist wichtig? Grüezi miteinander. Die Schweizerische Nationalbank ist natürlich von enormer Bedeutung für die Schweiz, für ihre Finanzmarktstabilität. Was ist das? auch für die Währungsreserven, die gehalten werden. Die Konjunktur wird ein bisschen auch gesteuert und natürlich Export-Import ebenfalls eine bedeutungsvolle Rolle. Das Gebäude vor dem wir uns hier befinden wurde zwischen 1919 und 1922 erbaut nach Plänen der Zürcher Architekten Otto und Werner Pfister. Die beiden haben auch sonst erfolgreiche Bauten Geplant und realisiert, zum Beispiel in Leuenhof an der Bahnhofstrasse, die Walche Verwaltungsgebäude. Hier in Zürich Verwaltung der Swiss Re, dann in Luzern beispielsweise das Suva Gebäude oder in Winterthur zum Beispiel die Kantonsschule im Lee. Auch sogar der Bahnhof Enge ist von diesen beiden Brüdern. Ihr Stil so etwas zwischen Jugendstil und neuer Sachlichkeit. jedenfalls nicht provozierend und doch in einem gewissen Sinne repräsentativ. Hochinteressant, meine Damen und Herren, also wir befinden uns hier in unmittelbarer Nähe der Bahnhofstrasse, das gibt mir jetzt die Gelegenheit Christoph Mörgeli noch ein bisschen näher ins Bild rücken zu lassen, damit nicht ich sozusagen hier die Gleichgewichtslage störe. Ja Jugendstil und neue Sachlichkeit, wenn wir beim Architektonischen sind, es gab ja einen anderen berühmten Architekten, den Karl Moser, Der hat das Kunsthaus in Zürich gebaut. Ist das der ähnlichen Stilistik zuzuordnen? Ich würde sagen, ja, es hat eine gewisse Ähnlichkeit. Zürcherischer Stil, wie kann man das benennen? Durchaus. Einer der Brüder Pfister hat auch bei Karl Moser in diesem berühmten Büro Curiel Moser gelernt. Übrigens haben die Pfisters auch den Neubau, den sogenannten Bürle-Neubau des Kunsthauses gegründet. gebaut, das geht dann bereits in die gemässigte Moderne hinein. Also da sind durchaus auch Einflüsse spürbar. Bevor wir über die Nationalbank sprechen und das, was sich in diesem Gebäude abspielt, vielleicht noch ein paar kurze Bemerkungen. Also wir sind hier in unmittelbarer Nähe des Zürichsees. Wir sehen da das Hotel Borolak, hinter uns liegt der Paradeplatz und daneben die Bahnhofstrasse. Vielleicht noch ein Wort zur Bahnhofstrasse. Das ist ja die berühmteste Strasse von Zürich, war ja auch nicht immer eine Strasse. Kannst du vielleicht dazu nur ein paar überschlagsmässige Angaben machen? Durchaus. Die Bahnhofstrasse war eine Gründung dieser sogenannten Gründerzeit, also im 19. Jahrhundert. Man hat da wirklich einen fast grossstädtischen Boulevard grosszügig angelehnt an natürlich auch internationale Metropolen errichtet. Und das ist durchaus interessant, auch weil die Gebäude so ziemlich ausgeglichen sind, alle fünfstöckig. Und das gab dann wirklich ein repräsentatives Boulevard mit entsprechend sehr schönen Ladengeschäften, Büros. Und es wohnen auch noch ein paar Leute da, aber es sind immer weniger. Und vielleicht vor 100, 120, 130 Jahren, vielleicht etwas länger her, war das hier eigentlich ein Malaria- und Sumpfgebiet, habe ich mal gehört. gehört habe ich gelesen, auch das Borolak, das musste sozusagen trockengelegt werden, das Gelände und die Bahnhofstrasse. Ein ehemaliger Wassergraben der früheren Schanzen. Der Stadt Zürich, also ein Teil der Befestigungen. Ist das richtig? Das ist schon richtig. Das war ein Teil des damaligen Bollwerkes und der See reichte noch wesentlich weiter. Diesen sogenannten Bürkli-Platz hat man später realisiert. Das war natürlich dann ein Architekt Bürkli. Da stehen wir jetzt und die Nationalbank steht an der sogenannten Börsenstrasse. Also auch das weist auf ein Finanzzentrum. Passt alles zusammen. Jetzt zur... Nationalbank, was ist da das Wesentliche? Was muss man wissen? Von der Nationalbank muss man vielleicht wissen, dass es sie nicht schon bereits zu Beginn des Bundesstaates gegeben hat. 1848 war man weit davon entfernt eine Zentralbank zu haben. Im Gegenteil: Bis 1850 herrschte eigentlich freie Notenausgabe, wäre vielleicht das Ideal von Friedrich August von Hayek, der ja immer noch skeptisch ist oder skeptisch war in seinem berühmten Werk 1978 gegen die staatliche Notenausgabe. Er empfindet das immer als Diebstahl an den Bürgern. Also so war es in der Schweiz 1850, 1851 kam dann die einheitliche Währung der Schweizer Franken. Aber es ging noch lange bis die Nationalbank dann wirklich gegründet wurde. 1865 schloss sich die Schweiz. der lateinischen Münzunion an, wurde eigentlich faktisch französische Währungsprovinz. Und das kam nicht so gut. Es gab dann natürlich Verwerfungen 1870-71, deutsch-französischer Krieg. Es ging dann wirklich wirtschaftlich schlecht und man hat gesagt, so kann es nicht weitergehen. Damals konnten einzelne Banken diese Banknoten ausgeben. Es gab einen Silberabfluss, der Franken hat sich entwertet und man war einfach nicht am Ende. auf die Geldmengen vorbereitet, die es brauchte. Jeweils im zweiten Halbjahr mehr als im ersten Halbjahr. Das hing mit den Erntearbeiten zusammen. Und längst hat es in den europäischen Metropolen damals Zentralbanken gegeben. Die Amerikaner waren noch später als die Schweizer, erst 1913 die Gründung des FED. Aber die Beginne der Schweizerischen Nationalbank können wir datieren auf 1891. Da wurde es möglich ein Notenmonopol für die Staaten zu errichten, verfassungsmässig. Es gab dann zwei Abstimmungen, die nicht gelangen. Zuerst eigentlich, weil man nicht einverstanden war, dass der Staat das Monopol hat auf die Noten. Das war 1896 und 1899 nochmals eine verlorene Abstimmung. Da ging es dann um die Standortfrage. Bern stritt sich mit Zürich. Und als man dann eine gemeinsame Lösung fand, also... Nationalbank sowohl in Zürich wie in Bern ansässig. Da ging es dann durch, 1905 erstes Nationalbankgesetz und 1907 wurde diese Nationalbank operativ. Sehr interessant, viele Fakten, vielleicht etwas was man für unsere Zuschauer in der Europäischen Union festhalten muss, der Schweizer Franken kam eigentlich als einheitliche Münze für die Schweiz, kam erst nach der Bundesstaats- und Staatsgründung. Also man hat nicht wie in der EU die Währungsunion, der Staatsunion vorausgeschickt, wie man vielleicht auch vermutet, um die EU eben über den Währungshebel zusammenzuführen, sondern man hat eigentlich in der Schweiz zuerst einen modernen Bundesstaat gegründet, bevor dann eigentlich das Münzwesen unter dieser staatlichen Kuratel einheitlich entstehen und gedeihen konnte mit den entsprechenden Institutionen. Was sind vielleicht die wichtigsten Meilensteine und Leistungen aus deiner Sicht dieser Schweizerischen Nationalbank? Was zeichnet sie aus, womöglich auch im Vergleich mit anderen Nationalbanken? Was ist das Schweizerische daran? Man kann sicher sagen, dass diese Nationalbank ganz entscheidend war bei den späteren Wirren im 20. Jahrhundert von zwei Weltkriegen, der dazwischenliegenden Depressionen. Ich meine, die Spezialisten sind sich einig, dass ohne Nationalbank diese Verwerfungen noch viel, viel grösser gewesen wären. Der Franken war aber stark, war immer stark eigentlich seit Gründung dieser Nationalbank und ist eigentlich nur einen Weg gegangen seither, immer nach oben, ist eigentlich immer stärker geworden. Das gibt auch Probleme, über die sprechen wir vielleicht noch, aber tendenziell war der Franken stark. Einen Einschnitt gab es dann 1937 nach diesen Krisenjahren ab 1929, großer Börsencrash, in dem nämlich überraschend der Bundesrat eine Frankenabwertung verkündete. 30 Prozent, obwohl man vorher versicherte, ein Franken bleibt ein Franken. Da hat dann der Bundesrat gewissermassen das Wort gebrochen bzw. alle überrascht. Aber wirtschaftlich war es damals wahrscheinlich keine schlechte Entscheidung. Man muss sich vor Augen halten, als der Schweizer Franken eingeführt wurde, war er ungefähr gleich viel wert wie ein französischer Franken, ein französischer Franc und eine italienische Lira. Ich kann mich noch erinnern, als man mit Hundert- und Tausendernoten Lire bezahlen musste. Also der Franken ist geblieben, die anderen sind da etwas leicht flüchtiger geworden. Die Währungen, was ist das Geheimnis des Schweizer Frankens? Ist es die Umsicht der Nationalbank oder ist die Nationalbank Symptom der stabilen schweizerischen Verhältnisse und der Schweizer Franken sozusagen eben auch Ausdruck? Dieser weit über die Nationalbank hinausgehende Stabilität, oder hat hier die Nationalbank auch durch ihre kluge Politik einen entscheidenden Anteil an dieser starken Währung? Ich meine schon, es ist beides. Es hat sich beides gegenseitig beflügelt. Natürlich ist die Schweiz stark, sie ist wirtschaftlich stark, sie hat grossartige Unternehmen, teilweise Weltkonzerne, dann auch sehr, sehr viele gesunde Unternehmen. KMU, sie hat gesunde, sagen wir einigermaßen gesunde Sozialwerke noch immer. Es sind gewaltige Vermögen vorhanden an Pensionskassen oder denken wir auch an die Immobilien, denken wir zum Beispiel an die Infrastrukturen, die natürlich enorm wertvoll und sagen wir auch sehr, sehr bis ins Detail ausgeklügelt und gut finanziert sind. Das alles macht natürlich die schweizerische Volkswirtschaft stark und das hat auch den Einfluss auf den Franken. Du hast die Weltkriege erwähnt, du hast diese Wirtschaftskrisen erwähnt, der 30er Jahre, eine extreme Zeit, als die Alchemisten des Geldes wirklich alle ihre Zauberkünste aus dem Hut quasi hervorglitzen lassen mussten. Was sind vielleicht noch weitere Leistungen der Nationalwahl? Können wir dann vielleicht auch noch auf ein paar Fehlleistungen mögliche zu sprechen kommen? Aber gibt es da noch eine weitergehende Palette? Sehr umstritten und dann auch mit einer Probe. Polemik verbunden. In den 90er Jahren war das Verhalten der Nationalbank im Zweiten Weltkrieg. Da muss man aber wissen, dass natürlich riesige Goldreserven und der Franken war zu etwa 40% lange noch mit Gold abgedeckt, dass riesige Goldreserven in den USA lagerten und die wurden gewissermassen beschlagnahmt. Das heisst, die Schweiz konnte im Zweiten Weltkrieg nicht mehr darüber verfügen und hat dann eben Gold von den Alliierten gekauft, etwas mehr von den Alliierten, aber eben auch vom Deutschen Reich. Gewaltige Goldvorräte angekauft und das gab dann nach Ende des Zweiten Weltkriegs große Diskussionen mit den USA. Im Washingtoner Abkommen von 1946 hat dann die Nationalbank 250 Millionen Franken zurückbezahlt gewissermassen und eben an die Notleidenden des Krieges geholfen. geleistet. Das war damals eine grosse diplomatische Leistung, es hätte schlimmer herauskommen können, aber man muss eben die Verantwortlichen der Nationalbank auch ein Stück weit verstehen. Die Polemik lautet ja, die Schweizer Nationalbank steckte da also knietief im Nazigold. Man habe sich da verstrickt, die Schweiz schwere moralische Schuld auf sich geladen, eben dann prang er dann die Nationalbank mit allen Weiterungen noch im Jahr 2000, Solidaritätsstiftung, wir kommen vielleicht noch darauf zu sprechen. Was ist jetzt da dran? Wenn man das sachlich nüchtern, aus heutiger Sicht aber auch mit Einfühlungsvermögen in die damaligen Umstände schildert, wie schuldhaft oder auch nicht war das Verhalten der Nationalbank im Zweiten Weltkrieg? Die Diskussion geht natürlich dahin, dass man eben auch Raubgold in der Schweiz gelagert hat und aufgekauft hat. Das ging ja dann bis zu Goldbeständen von Juden und Zahngold und solche Diskussionen. Das ist ein sehr, sehr schwieriges Gebiet natürlich auch, das dann wirklich humanitäre Aspekte betrifft. Aber man muss einfach festhalten, dass die amerikanischen Goldvorräte für die Schweiz bzw. jene, die dort lagerten, Aus Schweizer Besicht nicht mehr verfügbar waren und dass die Nationalbank sich etwas einfallen lassen musste. Auch muss man wissen, nach damaligem Völkerrecht war es nicht verboten, einem Kriegssieger das Gold des Verlierers abzunehmen. Das sieht heute sicher auch alles etwas anders aus, aber damals streng rechtlich gesehen hat sich die Nationalbank, meine ich, nicht allzu viel zu Schulde kommen lassen. Aber im Nachhinein ist man natürlich immer klüger und da kommen dann natürlich auch die Moralisten, die sagen, man hätte alles anders machen sollen. Ja, wir sind jetzt von der Vergangenheit, die auch Schatten wirft in die Gegenwart schon ziemlich nahe am heutigen Zeitpunkt. Jahre und Jahrzehnte der Nationalbank anschauen, Immobilienkrise 90er Jahre, schwere Verwerfungen in der Schweiz. Markus Lusse, der damalige Nationalbankchef, galt als Jobkiller der Nation. Es gibt einen Namen Leutwiler, eine bekannte Figur, Philipp Hildebrandt, Thomas Jordan, das sind aus jüngerer Zeit die grossen Jean-Pierre Roth, die grossen Schweizer Notenbänker. Vielleicht noch etwas zu diesen Personalien, zu diesem Personalkarussell, was ist da wesentlich? Man muss wissen, hier in Zürich, hinter uns und auch in anderen Gebäuden, die inzwischen aufgekauft wurden, ist die eigentliche Führung der Nationalbank. Das Direktorium, dreiköpfig mit einem Präsidenten, dann eben auch ansonsten zwei Departemente der Nationalbank, während die rechtlich-administrative Zentrale in Bern ist. Die kennen wir auch von repräsentativen Gebäuden am Bundesplatz. Fritz Leutwiler, ein bekannter Name aus den 70er Jahren vor allem, tatsächlich ein wichtiger Mann, der auch natürlich das internationale Währungswesen beherrschte. Es wurde ja immer alles noch öfters dann international verflochten und da mussten die entsprechenden Player der Nationalbank natürlich mitspielen. Dann du hast die Nachfolger genannt, Markus Lusser galt als strenger, Notenbanker, der gewissermassen die Schleuse zugehalten hat. Da hat man ihm dann vorgeworfen, er hätte eine Rezession ausgelöst, er hätte da sehr viel wirtschaftliches Potenzial vernichtet. Ich selber sehe das nicht ganz so streng, bin aber auch nicht der absolute Spezialist. Und es war dann Hans Mayr, der diese Schleuse wieder geöffnet hat. Du hast dann die weiteren Jean-Pierre Roth genannt, natürlich Philipp Hildebrandt, Thomas Jordan heute im ist der Martin Schlegel, der Präsident dieses Direktoriums, das unabhängig vom Staat handeln kann. Das ist ganz wichtig, es ist also nicht die Bank des Bundesrates, sondern hat im Sinne des Schweizer Volkes die Wirtschaft zu stabilisieren und positiv zu beeinflussen, während natürlich administrativ schon eine Kontrolle auch von der Politik ausgeht. Gross und umstritten natürlich bei der Nationalbank das Thema. Dass die SMB sehr viele Fremdwährungsreserven hält, insbesondere Euro. Das hat ja in der Ära Hildebrandt angefangen, als es diese starken Rezessionstendenzen im Gefolge der Finanzkrise 2008/2009 gab. Da hat die Nationalbank mit einer Politik der Frankenschwächung versucht, die Exportwirtschaft zu stützen. Man ist eigentlich von diesen gewaltigen Euro-Reserven nie heruntergekommen. Der Euro kostete einmal 1.60 Franken, jetzt kann man ihn für 93 Rappen haben, also fast schon etwas auf dem Grabbeltisch vorhanden. Wie ist das einzuschätzen? Ist das eigentlich nach Auffassung der Experten jetzt ein riesiges Klumpenrisiko, dass wir da so tief in diesem Eurosumpf drinstecken? Das ist natürlich auch eine Diskussion unter Experten. Es ist tatsächlich so, dass nach der Obergrenzenbindung an den Euro 2011 Währungsreserven aufgetürmt wurden. Ich meine, es ist ungefähr 900 Milliarden heute. Bemerkenswert vielleicht für unsere deutschen Zuschauer. Die Schweizerische Nationalbank ist wahrscheinlich der grösste Gläubiger heute der Bundesrepublik Deutschland mit etwa 100 Milliarden. So habe ich das jedenfalls irgendwo mal aufgeschnappt. Also man sitzt wirklich auf hohen Währungsreserven und dennoch hat die Nationalbank jetzt auch wieder gerade 26 Milliarden Gewinn gemacht. Und das wird ausgeschüttet an die Kantone und an den Bund. Darum war man wahrscheinlich politisch dann in unserem föderalistischen System überhaupt für diese Nationalbank zu gewinnen 2005, denn zwei Drittel geht dieses Gewinnes an die Kantone, ein Drittel an den Bund und damit rechnen natürlich beide Instanzen fest bei ihren Budgets. Interessant ist, im Jahr 2000, 2002 wurde eben im Gefolge auch dieser Diskussion entdeckt, über den Zweiten Weltkrieg die sogenannte Solidaritätsstiftung gegründet, als Wiedergutmachungsleistung der Schweiz für eben solche Verstrickungen im Zweiten Weltkrieg. Die Nationalbank hatte im Auftrag der Politik, politischer Entscheid, ihre Goldreserven verkauft. Die Weltwoche titelte damals, ich war schon Chefredaktor, ziemlich jung, die große Goldverschleuderung. Wir haben das hart kritisiert. Wie ist das heute zu beobachten und zu beurteilen, angesichts der doch sehr turbulenten und volatilen wirtschaftlichen Lage, Dass die Schweiz so viel von ihrem Gold abgegeben hat, zu einem Zeitpunkt, als der Goldpreis natürlich noch viel weiter unten war. Was kann man dazu sagen? Die Verantwortlichen meinten, als eben die Währung vom Gold weggekoppelt wurde, wir hätten jetzt viel zu viele Goldreserven. Und in der Tat wurden 1300 Tonnen verkauft. Man muss fast sagen, etwas verschleudert für 19 Milliarden Franken. Und das beurteile ich noch heute nicht als geschickt. Wir kennen den heutigen Goldpreis. Wir sehen auch, wie Staaten jetzt Geld bzw. Gold zusammenraffen. Also das ist ganz, ganz auffallend. Das gilt jetzt zum Beispiel für Polen, das gilt für osteuropäische Staaten, gilt noch mehr für China. Also das ist eine etwas beunruhigende Tendenz und ich glaube, die Schweiz hätte das damals so nicht machen können. Man wollte unbedingt diese Solidaritätsstiftung gründen. Das heisst, man hatte ein schlechtes Gewissen wegen dem Zweiten Weltkrieg und hat dann gesagt, wir können aus diesem Verkauf der Goldreserven einen Fonds machen und jedes Jahr an entsprechende Forderungen Geld auszahlen. Ich selber und andere haben das als sehr schlechte Idee beurteilt, denn dann wäre die Schweiz jedes Jahr neu erpresst worden. hat dann die SVP verlangt, dass man diese Goldreserven der AHV zukommen lässt. Das wurde abgelehnt. Gleichzeitig ebenfalls zum Glück abgelehnt wurde diese verfehlte Solidaritätsstiftung. Notenbanken heute, sie sind in die Diskussionen gekommen, weil sie sehr intensiv Politik gemacht haben in den letzten Jahren. Sogenanntes Quantitativ Easing in den USA. Geld einfach mehr oder weniger gedruckt. Wir haben die Europäische Zentralbank, eine Art Gelddruckmaschine, die indirekte Staatsschulden aufkauft. Die Schweizerische Notenbank, auch etwas in Mitleidenschaft gezogen. Es gibt die Rede von Notenbankchefs, die sich da selber ins Zentrum gespielt haben, so etwas wie das Superstar-Syndrom. Wir haben jetzt einen Streit in Amerika. Der amerikanische Präsident, der auf den Notenbank-Chef Powell losgeht, weil ihm nicht gefällt, dass der die Zinsen nicht senkt. Blicken wir aus der Geschichte noch etwas in die Zukunft. Inwiefern kann das, was du in der Geschichte der Nationalbank analysiert hast, ein Wegweiser sein, um in den Stürmen der Gegenwart zu bestehen? Ich glaube, ein Hauptproblem... Dieser Thematik ist, dass natürlich die allermeisten Menschen nicht rauskommen, was eigentlich Geld ist, wie Geld funktioniert. Ich möchte mich da gar nicht ausnehmen. Also ich habe nicht bis in die letzten Verästelungen eine Ahnung, wie das alles jetzt wirklich zusammenhängt. Das ist komplex. Und da muss man aber doch sagen, dass sich gerade die Nationalbank bemüht, hier immer wieder Transparenz zu schaffen, auch zu informieren. Sie hat auch eine Informationspflicht gegenüber dem Bundesrat, gegenüber dem Bund. gewisse Rechnungen abgenommen werden, aber da muss man versuchen die Menschen mitzunehmen. Und es ist natürlich ein ständiger Kampf zwischen der Exportwirtschaft, die nicht will, dass der Frankenkurs hoch ist und da natürlich entsprechend auch die Lobbyorganisationen vom Stapel lässt und die Forderungen stellt und aber wiederum natürlich auch dem Interesse an einem gesunden Schweizer Franken denken wir an all die Pensionierten, die Pensionskassen, die künftigen Pensionierten, die natürlich keine Freude haben, wenn da grosse Inflation herrscht. Aber die Verschuldungskrise in der Schweiz noch nicht schlimm, aber anderswo doch, ist ein ernstes Problem, denn es ist immer eine Frage des Vertrauens und wenn jemand auf die Idee käme plötzlich und sagen würde, ich habe in Frankreich kein Vertrauen mehr, dann kann das Kartenhaus relativ schnell zusammenstürzen und das hätte dann Auswirkungen auf ganz Europa und die Welt. darüber hinaus. Wir haben es gesehen in der Geschichte, als es krachte, hat Nationalbankchef Jordan die Frankenbindung an den Euro die Untergrenze aufgehoben. Finanzpatriot sozusagen die Schweiz, wenn es stürmt, auf sich zurückgeworfen. Unabhängigkeit, eine Trumpfkarte in dieser Zeit. Unbedingt, ich glaube das war Der richtige Entscheid von Thomas Jordan. Er hat in seiner Zeit diese Nationalbank gut durch die Wogen geführt. Aber es ist natürlich immer umstritten, was jemand tut und vielleicht ein bisschen unheimlich ist halt schon die gewaltige Macht, die hier auf wenigen Köpfen liegt im Vergleich zu der übrigen Politik, sagen wir mal, die ja sehr, sehr eng begleitet wird durch die Bevölkerung und wo man immer wieder den Schuh dazwischen hält. Da hat natürlich die Nationalbank wirklich sehr, sehr viel Einfluss, den sie auch entsprechend verantwortungsvoll ausüben muss. Lieber Christoph, vielen herzlichen Dank. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ja die Herren des Geldes, the Lords of Finance, so hieß ein berühmtes Buch, das sich mit den Notenbankchefs während der großen Wirtschaftskrise, während der großen Depression der 30er Jahre auseinandergesetzt hat, empfiehlt sich immer noch. Zum Lesen, mittlerweile hat sich das vielleicht etwas entschärft, die Dringlichkeit nicht mehr so gross wie vor ein paar Jahren. Aber trotzdem, hinter uns die Nationalbank sozusagen der Tempel dieser Finanz-Druiden, die Dinge machen, bei denen der platte Menschenverstand gelegentlich dann nicht mehr weiterkommt. Wir danken Ihnen für die Aufmerksamkeit, wünschen Ihnen einen schönen Tag und melden uns zeitnah zurück mit neuen Meilensteinen. Der Schweizer Geschichte.