Musik Grüezi miteinander, ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily Spezial. Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereits steht schon Professor Christoph Mörgeli und der Haushistoriker. Hinter uns sehen Sie zwei Brücken, eine neuere, eine etwas ältere, ein Teufel. Als Wandmalerein, lieber Christoph, wo sind wir, was machen wir hier, was ist der Meilenstein der Schweizer Geschichte heute? Grüezi miteinander. Wir befinden uns bei den Teufelsbrücken. Es sind zwei, eine ältere und eine neuere und es gibt sogar eine sehr alte, die wir nicht mehr sehen können, die eingestürzt ist. Es handelt sich um die Schöllenenschlucht zwischen Andermatt und Göschenen. Ein tiefer Einschnitt. Im Laufe der Zeit hat sich der Fluss richtig eingefressen und das war die problematischste Passage beim alten Gotthardpass, bei dieser traditionellen Nord-Süd-Verbindung. Und hier haben sich die Menschen über Jahrhunderte den Kopf zerbrochen, wie man diese Schöllen-Schlucht überqueren und weiter reisen nach Süden kann. Wann ist es gelungen, vielleicht zuerst, wann wurden diese Brücke, die erste und die zweite, die man hier auf dem Bild sieht, wann wurden die erstellt? Man hat bereits ab etwa 1200 Zeugnisse, dass hier wahrscheinlich der Pass begangen wurde. Es waren Walser, die die entsprechenden Kenntnisse mitbrachten, vielleicht vom Bau von Wasserleitungen, und zwar die Walser vom Ursarental-Region. Andermatt. Sie haben zuerst Ketten in den Stein, in den Fels geschlagen und dann Querbretter eingelegt und auf diese wiederum dann Holzbretter, auf denen man versuchte jetzt dem Felsen entlang diese Klippen, diese Schlucht zu überqueren. Das war natürlich wirklich ein großes Problem, lange Zeit. Es ist gelungen, man hat auch Stufen eingeschlagen in den Fels. Bis dann später eine Holzbrücke kam, so im beginnenden 13. Jahrhundert, die man dann auch mit Saumtieren überqueren konnte. Was war das für eine Zeit? Warum war da der unbedingte Drang der Menschen, diese Schlucht zu passieren? Was treibte sie an? Es war wichtig, dass man den Gotthardpass überqueren konnte und dieses Engnis, dieses problematische Naturereignis, musste entsprechend überwunden werden. Man nannte diese Holzbrücke auch die Stiebende Brücke, jene dann dem Fels entlang die Twerenbrücke. Und zum Glück kamen dann findige Köpfe auf die Idee, allerdings dann erst im ausgehenden 16. Jahrhundert eine Steinbrücke zu bauen. Das war dann ein grosser Fortschritt. Und es geschah im Jahr 1595, dass tatsächlich die erste Teufelsbrücke als Steinbrücke errichtet wurde. Wer war dafür verantwortlich? War das ein grosser Schweizer Ingenieur der Geschichte? Das war kein grosser Schweizer Ingenieur der Geschichte. Das ist mir nicht einmal bekannt, wer da der Kopf war. aber finanziert haben es hier die Landleute, die Urner und die Leute von Ursaren, die hier natürlich auch durch die Säumverkehrsverbindungen und das Säumen auf Mautieren Geld verdienten. Das gab dann immer wieder verschiedene Abschnitte, irgendwo hatten jede ihre Rechte und man musste mühsam wieder umladen. Man konnte nicht einfach vom Vierwaldstättersee gewissermassen nach Chiasso auf einem... Saumtier da den Gotthard überqueren. Das war eine recht komplizierte Sache. Was hat diese Brücke, diese Verbindung zwischen dem Tessin und der Innerschweiz, was hat die wirtschaftlich gebracht? Kann man das vergegenwärtigen? Kann man das quantifizieren? Die Brücke und der Gotthardpass waren wichtig. Vor allem auch für die Urner, für ihre Fee. Produktion für ihre Milchproduktion, sie haben Käse hergestellt und auch Vieh handelbetrieben mit der Lombardei, was eine wirklich wichtige Sache war für die Leute hier im Gebirge. Man weiss aber heute, dass der Gotthard vielleicht doch etwas überschätzt wurde in seiner wirtschaftlichen Bedeutung. Über den Brenner, der ja wesentlich tiefer liegt, ging sehr viel mehr Material und Menschen in die Lombardei. Lauf der Zeit. Und diese neue Brücke, seit wann gibt es die? Ja, die neue Brücke, die ist aus dem Jahr 1830. Die alte ist zusammengebrochen. Da sehen wir nur noch ein bisschen etwas im Stein, einem Brückenkopf als Zeugnis. Sie wurde strapaziert, vor allem im Zweiten Koalitionskrieg. 1799 kam es hier. Zur Schlacht zwischen den russischen Truppen von General Suvarov und den napoleonischen, den französischen Truppen. Und da wurde diese alte Brücke von 1595 erheblich beschädigt. Sie wurde eigentlich nie mehr instand gesetzt. Die Urner waren relativ arm und hatten nicht die Möglichkeit, hier wirklich den Gotthard wieder zu beleben im grossen Stil. bis dann eben eine neue Strasse angelegt wurde mit Bord. einer neuen Teufelsbrücke, die wir hier noch sehen, heute nur für den Langsamverkehr, für Fussgänger und Velofahrer gedacht. Diese neue Brücke, also 1828 bis 1830 gebaut. Wir kennen hier auch den Ingenieur namens Müller, ein Urner Landsmann, der übrigens auch die Nideckbrücke gebaut hat, in Bern ein bedeutender Ingenieur. Bauer, auch Politiker, später Landermann und Offizier im Sonderbundskrieg auf Seiten des Sonderbunds. Das im Namen Suvarov fallen gelassen, ist auch neuerdings seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges immer wieder Thema, dieses Suvarov-Denkmal. Was hat es da genau auf sich? Warum gibt es das überhaupt? Warum wird hier einem russischen General gedenkt? Was sind da die Hintergründe? Das große, mächtige Suvarow-Denkmal hier gleich in der Nähe wurde 1898 errichtet, also noch in der Zarenzeit, wurde dann auch im Rahmen des Ukraine-Kriegs ein bisschen in Mitleidenschaft gezogen und bemalt. Aber es ist ein Zeugnis dieses Feldzugs des Generals und die Russen gedenken eben diesem General in Ehrfurcht. Er war ein wirklich strategisches Genie, auch wenn er den Franzosen damals hat weichen. Aber vielleicht zurück zu dieser Teufelsbrücke. 1830 also die Strasse angelegt für Fuhrwerke auch. Von da an gingen dann auch die Postkutschen. Ab 1842 regelmässig eine Kutsche beidseits über den Gotthard von Flüelen bis Giasso. Später dann fünfspennig für zehn Personen waren die Postkutschen gedacht bis 1882. Der Gotthard-Durchstich kam und es mit dieser Postkutschenherrlichkeit vorbei war. Wer hat mehr profitiert? Die Innerschweizer, die Deutschschweizer oder die Tessiner von dieser Brücke? Da haben beide profitiert. Das war natürlich ein direkter und wichtiger Übergang zum beidseitigen Handel. Aber wahrscheinlich insgesamt haben doch die Urner noch etwas mehr profitiert von den entsprechenden Saumtätigkeiten und den Wegzöllen. die man erheben konnte bis zur Gründung des Bundesstaates. Warum ist da hinten ein Teufel an die Wand gemalt? Was ist der Hintergrund für die Teufelsbrücke? Der Teufel steht an der Seite des Urnerlochs. Und mit diesem Urnerloch hat es auch eine grosse Bedeutung. Das war nämlich ein wichtiger Durchstich, um die Gotthardroute zu verbessern. Der erste 64 Meter lange Tunnel hat ein italienischer Festungsbaumeister geschlagen in relativ kurzer Zeit, in wenigen Monaten mit Schwarzpulver. Das war bereits im Jahr 1708, also sehr früh. Da war das erste Urnerloch. Das ist dann aber ständig weiter erweitert worden und heute fährt da die zweispurige Autostrasse durch. Und der Urner Maler Heinrich Daniot hat... 1950, glaube ich, dieses Teufelsbild angemalt, das eben an die Teufelsbrücke erinnern soll. Die heutige Strasse, die neue Teufelsbrücke, stammt von 1958. Aber dieses Urnerloch ist auch wichtig. Man konnte da passieren, zuerst mit einem Saumtier, ohne Reiter allerdings, das war zu niedrig. Aber es war nicht so einfach. der erste Tunneldurchstich, der eben diese Schöllenenschlucht dann passierbar machte. Was ist die Genialität hinter dieser Teufelsbrücke? Ist es das steile Tal, der Fluss, die Witterungen, das Gestein? Was macht diese Schlucht, diese Teufelsbrücke, so speziell, so genial aus deiner Sicht? Das Problem ist die Überquerung dieses doch tiefen, steil abfallenden Schluchtgebildes. Und das ist gelungen mit Brücken und eben auch mit einem Tunnel, mit einer Sprengung. und die Urner haben natürlich mit dieser Teufelsbrücke verbunden. Eine ganz wichtige Sage. Darum heisst es eben Teufelsbrücke und davon müssen wir natürlich auch noch sprechen. Was ist da der Hintergrund? Um was geht es bei dieser Sage? Man sagt sich, dass der Urner Landermann bei einer Landsgemeinde, wo man wieder beriet, wie man diese Gotthardroute durch die Schöllenschlucht irgendwie passierbar machen soll, fast verzweifelte und ausrief der Der Teufel soll diese Brücke holen. Und schwupps stand dieser Teufel da und schlug einen Pakt vor. Er sagte nämlich, ich baue euch die Brücke. Aber die erste Seele des Ersten, der über diese Brücke kommt, die gehört mir. Und tatsächlich, in kürzester Zeit stand diese Brücke vom Teufel erbaut. Aber die schlauen Urner haben als erstes eine Ziege über die Hände. diese Brücke geschickt. Und der Teufel war so erbost, dass er diese Ziege in tausend Stücke zerrissen hat. Er hat sich einen Stein gekrallt, einen riesigen Stein haushoch und wollte damit die Brücke zerstören. Aber da kam eine fromme Frau und hat sich ein Kreuz geschlagen und auch auf diesen Stein ein Kreuz geschlagen. Und damit konnte der Teufel diesen Stein nicht mehr anheben. und die Brücke nicht zerstören. So geht die Sage von der Teufelsbrücke. Und diesen Stein gibt es den noch? Diesen Stein gibt es noch, soll es noch geben. Der eigentliche Teufelsstein, der ist etwas weiter unten. Der musste auch verschoben werden, mal wegen der Autobahn, die da gebaut wurde. Aber man hat sich gewehrt, dass das nicht weggesprengt wird und dass dieser Stein erhalten wird. Es bleibt 13 Meter hoch. Oben auch die Schweizer und die Urnerfahne. Es wird viel fotografiert und ist auch ein sehr schönes Sische hier an der Strecke zum Gotthardpass. Dieser Teufelstein war auch ein bisschen entfremdet früher. Da gab es dann eine Schokoladenwerbung, bis dann der Stein tatsächlich durch die Naturforschende Gesellschaft übernommen worden ist. die jetzt auch die Aufgabe hat, ihn zu vermitteln. zu hegen und zu pflegen. Was ist heute die Bedeutung dieser Brücke, dieser Tunnels hier zwischen Tessin und Uri, der Schöllenschlucht? Was ist da vor dem Hintergrund des Gotthardtunnels? Hat Rege abgenommen. Gibt es da noch eine sentimentale Bedeutung oder mehr als eine sentimentale Bedeutung hinter diesen Brücken? Ja, das ist schon sehr, sehr wichtig, die Brücken. Auch die Verbindung natürlich ins Urserental nach Andermatt, ein Ort, der ja wirklich jetzt aufblüht und wieder als Tourismus-Hotspot aufleben soll und hoffentlich auch wird. Das wäre sehr zu wünschen. Jedenfalls ist es wichtig, auch für den Nord-Süd-Verkehr im Sommer, also wenn kein Schnee liegt, wo ja der Gotthard offen ist, wo nach wie vor hier Motorräder, aber auch viele Autos den Gotthard anbieten. über die alte traditionelle Strecke überqueren. Auf der anderen Seite kommt ja dann die Tremola, diese Serpetinenartige Abstiegsroute, die übrigens auch so um 1830 auf der Sineseite vollendet wurde. Das war die erste eigentliche Gotthardstrasse. Heute haben wir da die Autobahn, die natürlich etwas respektlos die Natur überquert. Das haben wir vergessen. Was gibt es noch geniales über die... Teufelsbrücke zu berichten? Ich glaube, die Teufelsbrücke ist wichtig. Es sind drei Teufelsbrücken nochmals, die man sich in Erinnerung halten muss. Eigentlich wahrscheinlich mehr. Zuerst eine Holzbrücke, dann 1595 die erste heute nicht mehr existente Steinbrücke. Es kommt 1830 die hinter uns liegende, tiefer liegende kleine Teufelsbrücke dazu und dann 1958. die heutige Strasse, die jetzt die Schöllenschlucht überquert. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für deine Ausführungen. Ihnen danken wir für die Aufmerksamkeit, wünschen Ihnen ein wunderschönes Wochenende und verabschieden uns mit diesen Bildern der Wandmalerei und den Brücken bei uns im Hintergrund ins Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Weltwoche, der ist spezial und Meilenstein in der Schweizer Geschichte. Vielen herzlichen Dank. Untertitelung des ZDF, 2020