Grüezi miteinander. Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Delhi, spezial Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereits steht schon Professor Christoph Mörgeli, der Weltwoche Haushistoriker. Wir befinden uns nördlich von Zürich in der nördlichen Schweiz, in Schaffhausen genauer gesagt, hinter uns die Skyline. Nein. Eine Burg, eine Festung ragt empor. Lieber Christoph, warum sind wir hier? Was ist der Meilenstein der Schweizer Geschichte der heutigen Sendung? Grüezi miteinander. Wir befinden uns in Schaffhausen vor der Festung Munot. Ein weit erreichendes Wahrzeichen dieser Stadt, das auch überregional durchaus bekannt ist. Die Stadt Schaffhausen wurde reichsfrei zu Beginn des 15. Jahrhunderts. hat sich dann nach dem Schwabenkrieg der Eidgenossenschaft angeschlossen, als zwölfter Ort, 1501, in die Eidgenossenschaft aufgenommen. Die Stadt, die zünftig und durch Kaufmannsgesellschaften regiert war, hat dann auch umliegende Gebiete unter seine Kontrolle, unter seine Herrschaft bringen können. Und so ist Schaffhausen ein doch bedeutender Ort der Eidgenossenschaft geworden. Und Schaffhausen hat sich, wie wir sehen, auch befestigt. Es war eine wehrhafte Stadt. Was heisst das für diesen Munot? Man meint der Legende nach, dass es hier bereits einen Wachtturm gehabt haben könnte in römischer Zeit. Das ist aber nicht bewiesen. Das wäre dann Teil der rheinischen Verteidigungslinie des Römischen Reichs gewesen. Aber im Mittelalter standen hier sicher Festungsanlagen, was wir hinter uns sehen. kommt aber dann doch aus einer späteren Zeit. Aus welcher Zeit? Wann wurde dieser Munot gebaut? Wer hat ihn gebaut? Entwickelt und eigentlich geplant wurde dieser Bau von Stadtbaumeister Heinrich Schwarz und errichtet wurde er zwischen den Jahren 1564 und 1589, also etliche Jahre Bauzeit. Und das war... Viel Frohnarbeit durch Schaffhauser Bürger. Man hat aber auch die Ärmsten hier herangezogen zu dieser harten Arbeit. Es mussten nämlich sehr, sehr viele Steine aus Steinbrüchen geschlagen und hierher geschleppt werden. Da waren also viele Taglöhner, die man dann mit etwas Wein und Speise abgespiesen hat. Vielleicht bekamen sie auch ein paar Rappen auf die Hand gedrückt nach damaliger Währung. Es war wirklich schon auch ein gewisses Ausnützen der damals armen Bevölkerung, aber die war froh, hier etwas zu tun zu haben. Und so wurde dieser Munot aufgerichtet. Es ist eine Art Festung, ein Übergang zwischen mittelalterlicher Burg und moderner Festungsanlage. So etwas gibt es sonst eigentlich kaum. Das ist wirklich einzigartig. Und das Faszinierende ist, dass eigentlich dieser Munot, als er beendet war, bereits wehrtechnisch unbedeutend gewesen ist. Also man hat in der Wehrtechnik bereits so viele artilleristische Fortschritte gemacht, zum Beispiel, dass dieser Moonhut eigentlich nicht mehr zweckmässig und sinnvoll war. Was natürlich schade ist, das hat sehr viel gekostet, etwa 40'000, 45'000 Gulden. Damit hätte man damals 800 Bürgerhäuser errichten können. Also du sagst, dieser... Dieser Gewaltsbau, der da herausragt, der hat sich militärisch in keinster Art und Weise jemals bewährt. Das muss man eigentlich sagen. Er wurde zum Glück auch nicht besonders erprobt, denn es kam dann doch eine friedliche Epoche zum Glück. Man hat sich übrigens bei dieser Rundfestung orientiert an Albrecht Dürer und seinen entsprechenden Planungsskizzen und Zeichnungen. Also auch hier eine... Doch, grosse Bedeutung, aber der Munot als Festung, als Rundbau, damals noch nicht im Innenhof, völlig gedeckt. Das kam dann später und es wurde dann auch im 17. Jahrhundert noch weiter ausgebaut, nach damaligen Techniken, vor allem im Dreissigjährigen Krieg, als man natürlich Angst hatte, auch in kriegerische Ereignisse hineingezogen zu werden. hat der berühmte Festungsbauer aus Zürich, Wertmüller, der auch sonst verschiedene Festungen realisiert hat, hier noch etwas ausgebaut, aber zu einer damals modernen Festung mit entsprechenden Schanzenwerken, die entfernt waren. auch artilleristisch hätten genutzt werden können, kam es hier in Schaffhausen nie. Wie dachte die Schaffhauser Bevölkerung damals über diesen Munot? Hat man das bereut, dass man da diesen Kraftakt gestemmt hat? Oder war das schon damals eine Art Wahrzeichen, auf das man stolz war? Man war durchaus stolz auf dieses Bauwerk. Es war ja auch aufwendig und man hatte es in die Stadtbefestigung, die damals noch intakt war, die Ummauerung. einbezogen. Der Munot liegt auf dem Emmerzberg. Es ist heute mit Reben bepflanzt, stadteigenem Ehrenwein, der da angebaut wird. Und der Munot ist natürlich wirklich ein stattliches Bauwerk, das da über dem Rhein und oberhalb der Stadt ragt. Und wir sehen auch, dass dieser Munot recht umfangreiche Ausmasse hat. Der Turm ist etwa 50 Meter. Also durchaus eindrücklich, der sogenannte Bergfried. Und oben an diesem Turm ist das ganz berühmte Munotglöcklein, von dem wir noch sprechen werden. Das geläutet wird jeweils täglich um 9 Uhr abends. Früher hiess das Stadttore zugemacht und fertig mit dem Ausschenken von Alkohol in den Wirtschaften und in den Pinden. Architektur historisch, warum ist der Munot speziell, warum ragt er hier aus? Es ist wirklich dieser Übergang von einer mittelalterlichen Befestigungsanlage, von einem mittelalterlichen Turm in eine doch einigermassen moderne, Kasamatten ausgestattete, mit Schiessscharten für die Artillerie versehene Festungsanlage. Das macht es eigentlich für... den Architekturhistorikern und den Militärhistorikern interessant. Das Bauwerk ist ja auch wirklich imposant, auch durch die exponierte Lage auf erhöhter Stelle. Und so gesehen ist der MUNOT wirklich etwas, das sich der Studien und der Betrachtung lohnt. Vielleicht noch über die Nutzung. Wie wurde dieses Gebäude bewohnt? Wer bewohnte es vielleicht auch? Das Gebäude wurde... und wird es heute noch durch den Munotwächter, die Munotwächterin. Die wohnt im Turm. Man sieht da, dass das durchaus eine Wohnung sein kann in diesem Fachwerkturmteil. Und da wohnt also die Munotwächterin heute. Sie hat keine sicherheitsrelevante Aufgabe mehr wie früher, als man eben das Annähern von Feinden melden musste oder den Ausbruch eines Feuers beispielsweise und natürlich dann die Zeitansagen. Aber es ist eine schöne Tradition, dass jeweils abends, etwa fünf Minuten, das Munotglöcklein geläutet wird. Wie wird man Munotwächter, Munotwächterin? Also da kenne ich die Details auch nicht. Da muss man sich sicher auszeichnen durch Pünktlichkeit. durch Zuverlässigkeit und natürlich auch durch die Betreuung der Tiere. Denn in diesen Gräben rund um den Munot, in der Landschaft, die hier angelegt wurde, sind heute ungefähr ein Dutzend Dammhirsche. Da gibt es also eine Hirschkolonie und der Anführer, der männliche Anführer dieser Hirschen. trägt den Namen des jeweiligen Stadtpräsidenten. Im Moment ist das Peter Neukomm von der Sozialdemokratischen Partei. Du hast schon mehrmals angetönt das Glöcklein auf diesem Monot oben im Turm. Was hat es damit auf sich? Wie sind da die Hintergründe hinter diesem Glöcklein? Das Glöcklein hat einen Sprung und dieser Sprung macht den Klang ganz speziell. Und man hat diesen Sprung auch schon ein bisschen wieder repräsentiert. aber doch nicht ganz aufgehoben. Und das Mounod-Glöcklein ist Bestandteil eines recht bekannt gewordenen Schweizer Liedes. Man meint, es sei uralt, ist es aber nicht. Es stammt von 1911. Das Mounod-Glöcklein von einem Ferdinand Buomberger, lustigerweise aus dem katholischen St. Gallischen stammend. Schaffhausen ist ja durchaus sehr reformiert. Aber ja, dieses... Lied gedichtet, er war hier christlich-sozialer Publizist, er war Ökonom, aber eben auch dichterisch und schriftstellerisch begabt. Und er hat das Lied gedichtet, das heute noch sehr, sehr... Oft gesungen wird, klinge Hunots Glöcklein, grüsse mir die liebste Fein und so weiter. Also das ist ein wichtiger Bestandteil des schaffhausischen Liedguts geworden. 1911, wie gesagt, veröffentlicht und publiziert. Wer jetzt mit der Geschichte Schaffhausens nicht besonders vertraut ist, was muss man über diese nördliche Stadt der Schweiz wissen, um sie so ein bisschen zu verstehen? Man muss wissen, dass die Schaffhauser durchaus tüchtig sind, sehr geerdet, vernünftig, finde ich, und bodenständig. Sie haben sich früh industrialisiert, waren also sehr, sehr früh industrialisiert. Ist natürlich immer etwas im Schatten des grösseren Zürich, ist auch hier im Norden vielleicht manchmal ein bisschen isoliert. Und wir haben einen gewissen Graben zwischen Stadt und Land. Beides etwa gleich stark. beides politisch nicht ganz gleich ausgerichtet und das kann dann zuweilen etwas Spannungen geben. Gab es in der Geschichte Schaffhausens keine Zwischenfälle? Verlief das alles allglatt, quasi ruhig? Dieser Muno wurde auch nie in Betrieb genommen. War alles so allglatt in der Geschichte dieses Kantons, wie es anglebt oder vordergründig scheint? Nein, es gibt natürlich immer Unebenheiten und dramatische Ereignisse. Was den Mounod betrifft, so ist das Jahr 1799 zu nennen, denn damals wurde er vorübergehend wieder militärisch in Betrieb genommen und in Funktion gesetzt. Wir haben die Zeit der Koalitionskriege gegen Napoleon. Die Franzosen haben die Stadt Schaffhausen 1798 erobert und eingenommen, haben Kanonen auf dem Mounod aufgestellt. Und als dann im Frühjahr... 1799 die Österreicher hierher vorgerückt sind, wurde der Munot beschossen und man hat umgekehrt auch auf die Österreicher geschossen. Die Franzosen haben zu ihrer Sicherung die schöne Grubenmannbrücke über den Rhein in Brand gesetzt und der Munot wurde empfindlich beschädigt durch diese Beschissungen. Er war dann in der Folge eigentlich schon fast eine Ruine. Es kam der Regen durch die Dächer und Noch schlimmer, die Schaffhauser haben sich für ihre Stadt an den Steinen bedient und haben unten Häuser gebaut. Und so wurde natürlich der Mohnort wirklich beeinträchtigt. Und warum sieht er heute so astrein aus, sagen wir jetzt mal? Zum Glück in der Zeit der Burgenromantik, in den 1820er Jahren, hat man sich wieder besonnen auf die Bedeutung dieses Bauwerks für die Stadt. und man wollte ihn wirklich nicht zerfallen lassen. Ein besonderes Verdienst kommt hier einem Zeichenlehrer an der Kantonsschule zu, Johann Jakob Beck. Und der hat sich sehr eingesetzt, dass jetzt dieser Muno nicht weiter geschändet, sondern im Gegenteil eben restauriert wird. Man wurde mit einer ersten Restaurierung 1839 fertig, wurde aber durchaus bis ins beginnende 20. Jahrhundert noch gearbeitet dran. Und 1839 hat man auch den MUNOT-Verein gegründet. Beck wurde zum eigentlichen MUNOT-Vater. Er hat dieses Bauwerk wirklich gerettet. Und das ist auch im Andenken der Schaffhauser Bevölkerung haften geblieben. Wie versehrt wurde der MUNOT in den 40er Jahren, in den Kriegsjahren? Zweiter Weltkrieg 1944, 1. April, der Beschuss der Amerikaner, der fälschliche Beschuss von Schaffhausen. Wie sehr hat der MUNOT durch diesen Angriff? gelitten? Der Moonhut hat praktisch nicht gelitten durch diesen Angriff im Gegensatz zur Altstadt, die wirklich sehr stark betroffen war. Es sind auch viele Menschenleben ja leider dann gefordert worden durch diese Bombardierung, die irrtümlich erfolgt ist durch die Amerikaner. Aber der Moonhut war da also nicht beteiligt. Und was ist heute in diesem Gebäude? Was kann man heute da bestaunen, anschauen? entdecken? Der Munot ist nach wie vor ein wunderbarer Aussichtspunkt. Man kann da hochsteigen, dieses Bauwerk von innen und aussen bewundern während der Öffnungszeiten. Vor allem aber ist der Munot Schauplatz von Konzerten, von Veranstaltungen, von kulturellen Ereignissen und besonders hervorstechend für die Schaffhauser und auch weit darüber hinaus die sogenannten Munoz-Bälle. Die werden von der hiesigen Gesellschaft mit Ernst und Eifer gepflegt. Da wird auch die Quadrille getanzt, eine Tanzart aus dem 17. Jahrhundert, sehr anspruchsvolle. Schritt folgen, das geht, glaube ich, etwa 20 Minuten und das wird eingeübt und sehr eindrücklich dann getanzt aus Anlass dieser Munotbälle. Was ist die zentrale Bedeutung des Munots für die Schweiz? Die zentrale Bedeutung ist eigentlich, dass wir hier eine Stadtbefestigung haben an der Nordgrenze unseres Landes, auf der nördlichen Rheinseite. Ansonsten ist ja die Schweiz meistens südlich geografisch angesiedelt. von diesem Rhein und dass es sich eben um ein Bauwerk handelt, das noch in Beziehung ist zu Ideen von Albrecht Dürr. Auch das ist bedeutend und der Übergang zwischen Mittelalter und Neuzeit bleibt ein spannendes Kapitel, auch wenn, das müssen wir immer wissen, wer technisch eben dieser Mounod schon als er ganz vollendet war im Jahr 1589 nicht mehr, Ciao. Zeit entsprach nicht mehr dem damaligen Können und Wissen der Kriegsführung. Was haben wir vergessen über den Munot, vielleicht aber auch über Schaffasen? Vielleicht könnte man noch sagen, dass ein einziges Mal dieses Munot-Glöckchen in den vielen hundert Jahren um 9 Uhr abends nicht geläutet hat. Und das war im Sommer des Jahres 2019 anlässlich des Frauenstreiks. hat offenbar die entsprechende MUNOT-Wächterin oder irgendwelche Leute, die ihr das empfohlen haben, nicht geläutet. Das war ein Zeichen, möglicherweise eben ziemlich sicher, dass die Frauen sich eben immer noch diskriminiert fühlen in diesem Land. Auch in Schaffhausen? Auch in Schaffhausen, auch sogar in Schaffhausen. Ob zu Recht oder Unrecht, bleiben wir mal dahingestellt. Aber das MUNOT-Glöcken... blieb an diesem Frauenstreiktag stumm. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen. Ihnen danken wir für die Aufmerksamkeit, wünschen Ihnen einen wunderschönen Samstag, ein schönes Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgli und vor allem bei Weltwoche Daily Spezial. Vielen herzlichen Dank, bis zum nächsten Mal.