Die ersten Verhandlungen seit Ausbruch des Handelskriegs zwischen den USA und China schlossen mit einem Erfolg.
Er freue sich zu berichten, dass man «wesentliche Fortschritte erzielt» habe, sagte US-Finanzminister Scott Bessent nach getaner Arbeit am Sonntagabend.
Die Fortschritte zur Beilegung eines Zwists, der seit Wochen die ganze Weltwirtschaft irritiert, hat direkt mit der Schweiz zu tun.
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Die Schweiz hatte das Terrain für die Annäherung der beiden Giganten der Globalwirtschaft bereitgestellt.
Verhandelt wurde in der prächtigen Villa Saladin, dem Sitz des Schweizer Botschafters bei der Uno. Ein fruchtbarer Geist scheint hier zu walten. Unweit des Anwesens dichtete vor gut zweihundert Jahren Mary Shelley ihren «Frankenstein».
Nicht Horror, sondern zurück zur prosperierenden Normalität – dafür legte die Schweiz die Bühne.
Trumps Mann für die Finanzen hielt nicht mit Lob zurück: «Ich möchte unseren Schweizer Gastgebern, der Schweizer Regierung, danken», sagte Bessent nach zweitägigem Verhandlungsmarathon am Genfersee. «Sie (die Schweizer) waren sehr freundlich, uns diesen wunderbaren Veranstaltungsort zur Verfügung zu stellen.
Und er doppelte nach: Die Schweizer hätten in der Villa Saladin das perfekte Gesprächsklima generiert – «das hat zu einer grossen Produktivität geführt, die wir gesehen haben».
Vertreter der USA und Chinas hatten sich am Samstag zum ersten Mal überhaupt getroffen, seit Trump den Chinesen den Zollkrieg erklärt hatte. 145 Prozent Strafzölle hatte er ihnen aufgebrummt. Die Chinesen antworteten mit 125 Prozent. Seither hält die Welt hält den Atem an.
Xi Jinping schickte eine hohe Garde nach Genf, angeführt von Vizepremier He Lifeng.
Die Gespräche liefen besser als erwartet, wie die Weltwoche am Abend des ersten Verhandlungstages von direkt Beteiligten erfuhr. Die Chinesen seien in Verhandlungsstimmung, tönte es von amerikanischer Seite.
Doch wollte man nichts verschreien. Jedem, der die Erwartungen hochpumpte, wurde die Luft rausgelassen. Es gebe keinen Durchbruch, liess man gebetsmühlenartig verlauten. Man wolle sich erst mal gegenseitig beschnuppern.
Dann grätschte Trump mit einem euphorischen Tweet dazwischen. «Sehr gutes Treffen heute in der Schweiz», verkündete Trump auf Truth Social, als die Streitparteien in Genf noch in den Federn lagen.
«Einen totalen Neubeginn» habe man in freundlicher Atmosphäre ausgehandelt. «Grosse Fortschritte» seien gemacht worden.
Damit schraubte Trump selbst die Erwartungen massiv hoch.
Offenbar zahlte es sich aus. Am Sonntagabend, 18 Uhr, traten die Amerikaner vor einen kleinen Pressekreis.
«Es ist wichtig, zu verstehen, wie schnell wir uns einigen konnten», so Trumps Handelsbeauftragter Jamieson Greer, «was zeigt, dass die Unterschiede vielleicht gar nicht so gross waren, wie man vielleicht denkt».
Auf Details gingen die Amerikaner vorerst nicht ein. Die würde man am Montag erörtern.
Für die Schweiz, so viel steht fest, waren die Genfer Gespräche ein Hattrick. Am Vortag des big event hatten die Schweizer ihre eigenen Interessen bewirtschaftet.
Zuerst traf man sich mit Trumps Team. Er freue sich, dass man sich mit den Schweizern auf «eine Beschleunigung der Handelsgespräche geeinigt» habe, erklärte Bessent auf X. «Wir sind optimistisch, was die Geschwindigkeit dieser Verhandlungen angeht.»
Gut möglich, dass man mit der Schweiz schon bald handelseinig werde.
Auch mit den Chinesen kam man offenbar konstruktiv voran. Man sondierte weiter auf dem Pfad Richtung Freihandelsabkommen.
International Schlagzeilen machte man indes als neutraler Akteur und als Arena für die sino-amerikanische Annäherung.
Jahrelang hatte man die Abrissbirne auf unsere Neutralität sausen lassen. Joe Bidens Botschafter in Bern diffamierte die Schweiz als «Loch im Donut».
Nun setzte man ein Zeichen. Zurück Richtung Neutralität und Normalität.
«Sie waren so gastfreundlich und haben die Veranstaltung ausgerichtet, und alles ist reibungslos verlaufen, was wir sehr zu schätzen wissen», lobte Botschafter Greer die Dienste der Schweiz.
Fürwahr ein glückliches und geglücktes Wochenende in Genf.