Die von der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni initiierten Flüchtlingslager in Albanien sind nahezu verwaist. Über die «Geisterstädte» berichtet das Onlineportal Politico. Ein Jahr nach ihrer Eröffnung und trotz Kosten von 67,5 Millionen Euro ist das einst als Vorzeigeprojekt gegen die europäische Migrationskrise gefeierte Vorhaben in einem juristischen Stillstand gefangen. Gebäude verfallen, italienisches Personal zieht sich zurück – und das Projekt kann keine Asylverfahren durchführen.
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Im Oktober 2024 wurden die ersten 16 Migranten nach Albanien gebracht, jedoch binnen einer Woche zurück nach Italien geschickt. Grund: Ein römisches Gericht erklärte das Vorgehen für illegal. Anna Strolenberg, EU-Parlaments-Mitglied von Volt, bezeichnete die Lager als «teuren Wartesaal» und kritisierte das Projekt als unrealistisch: «In Albanien wollte man monatlich 3000 Personen verarbeiten, was Italiens jährlicher Rückführungszahl entspricht.»
Während in Shëngjin, einer Küstenstadt Albaniens, das Personal in Resorts verweilt und wenig zu tun hat, klagen Angestellte in Gjadër über Isolation und Langeweile. Die Instandhaltung der Einrichtungen leidet: Wasser sickert in Gebäude, die Infrastruktur zeigt erste Schäden.
Auch politisch gerät Meloni unter Druck. Gegner werfen der italienischen Regierung vor, Steuergelder zu verschwenden, während das Projekt als Symbol ihrer Migrationspolitik gefeiert wird.
Ob die EU-Justiz das Vorhaben in Zukunft legitimiert, ist unklar.