Was ist von einem Parteitag zu halten, wo das Bemerkenswerteste, das die Reporter berichten, die Tatsache ist, dass die Vorvorgängerin des amtierenden Parteichefs und Kanzlers dabei gewesen ist? Genau.
Friedrich Merz hat seine 70-minütige Rede beim Parteitag der CDU gehalten, und Angela Merkel hat brav zehneinhalb Minuten mitapplaudiert, wie die deutschen Stoppuhr-Medien unisono vermerken. Darüber hinaus blieb das Ereignis überschaubar.
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Der Parteivorsitzende appellierte an die Geschlossenheit der Partei. Muss er, denn Abweichler gibt es immer wieder. Er widmete den Mittelteil der Rede seiner Aussenkanzlerrolle: «Die regelbasierte Ordnung existiert so nicht mehr. Eine Grossmachtordnung nimmt mit hoher Geschwindigkeit Gestalt an.» Das stimmt zweifellos. Nur ist die Folge daraus für Merz ein entschiedenes «Weiter so» an der Seite der USA und als Teil der EU. Ein eigener Weg? Nicht in Sicht.
Und dann die Innenpolitik im letzten Drittel: «Deutschland muss zur Höchstform auflaufen.» Er verstehe sich als Mann auf der Brücke. Das ist natürlich super, wenn der Steuermann daneben nicht Lars Klingbeil und seine SPD hiesse. Dass mit dieser Koalition keine grundsätzlichen Reformen zu machen sind, erleben die Deutschen seit einem Jahr.
Was bleibt, ist ein intakter Kanzlerwahlverein namens CDU. Nach einer quälend langen analogen Abstimmung, die eher zu Deutschland in Steinzeit- statt in Höchstform passt, gibt es 91 Prozent für Merz. Stabilität kann beruhigen. Sie kann aber auch betäuben.