Die Armut in Argentinien ist laut einer aktuellen Unicef-Erhebung im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Der Anteil der Menschen, deren Einkommen nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reicht, sank von 48 auf 31 Prozent. Auch der Anteil der Bevölkerung, der aus finanziellen Gründen auf Mahlzeiten verzichten musste, fiel um 18 Prozentpunkte auf nun 30 Prozent. Beobachter führen diesen Rückgang auf die umstrittenen wirtschaftspolitischen Reformen des libertären Präsidenten Javier Milei zurück.
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Seit seinem Amtsantritt Ende 2023 verfolgt Milei eine radikale Sparpolitik, die er selbst als «Kettensägen-Politik» bezeichnet. Sozialleistungen wurden gekürzt, Subventionen gestrichen und Verwaltungsapparate abgebaut. Kritiker werfen ihm vor, mit dem Rotstift vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten zu treffen – doch die neuen Unicef-Zahlen deuten auf eine andere Entwicklung hin: Demnach konnten sich allein 3,1 Millionen Kinder aus der Armut befreien. Auch die Mittelschicht wuchs, laut Unicef, zuletzt um 7,7 Millionen Menschen.
Gleichzeitig verzeichnet Unicef aber auch negative Begleiterscheinungen. So stieg die Verschuldung der Haushalte im gleichen Zeitraum von 23 auf 31 Prozent. Dennoch haben inzwischen mehr Menschen die Möglichkeit, sich einen Zahnarztbesuch leisten zu können – ein Indikator für die gestiegene Kaufkraft in breiteren Teilen der Bevölkerung.
Mit dem jüngsten Wahlsieg seiner Partei «La Libertad Avanza» bei den Kongresswahlen hat Milei nun Rückenwind für weitere Reformen. Seine Bewegung erreichte 41 Prozent der Stimmen im Abgeordnetenhaus.