Die oberste Schweizer Sportfunktionärin will per 2038 Olympische und Paralympische Winterspiele in der Schweiz mit Biegen und Brechen durchdrücken. Im SRF-«Tagesgespräch» mit David Karasek hat alt Bundesrätin Ruth Metzler (Mitte) als Präsidentin von Swiss Olympic deutlich gemacht, dass sie keine Volksabstimmung über ihr Projekt wünscht.
© KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Karasek konfrontierte Ruth Metzler mit negativen Stimmen aus dem Volk, vor allem von der Bergbevölkerung. Da war bei einer Befragung der Sendung «10 vor 10» über eine Winterolympiade vor allem die Rede von einem ganz kurzen Rausch und einem ganz langen Kater. Auch die ökologischen Bedenken bezüglich einer langfristigen Landschaftsbelastung sind gross.
Die Promotoren dieser Kandidatur behaupten jetzt, wegen des Zeitdrucks der Bewerbung bis 2027 sei es unmöglich, die Bevölkerung um ihre Meinung zu fragen. Diese Strategie läuft auf eine Erpressung hinaus. Oder jedenfalls auf die Hoffnung, dass bei grünem Licht des Internationalen Olympischen Komitees der Zug nicht mehr aufgehalten werden kann.
Die 190 Millionen Franken, die der Bundesrat gesprochen hat, sind ein lächerlicher Tropfen auf den heissen Stein – und höchstens ein Beleg, dass die Landesregierung höchst lauwarm hinter einer Olympiakandidatur steht.
Falls es Swiss Olympic und Ruth Metzler tatsächlich ernst meinen mit dem Projekt, müssen die Befürworter bis 2027 mindestens zwei Milliarden Franken Defizitgarantie bereitstellen. Und zwar aus privaten Mitteln, finanziert von der Schweizer Wirtschaft. Falls ihr dies nicht gelingt, ist so klar wie das Amen in der Kirche: Das entsprechende Interesse ist nicht vorhanden, der Staat beziehungsweise die Steuerzahler werden 2038 auf einem mehrfachen Milliardendefizit sitzenbleiben.
Und genau so pokern heute die Sportfunktionäre. Sie wissen genau, dass Olympische und Paralympische Winterspiele niemals einen Gewinn abwerfen – wie das noch 1928 und 1948 in St. Moritz der Fall war. Denn unsere Infrastrukturen sind bei weitem nicht bereit für die Anforderungen von 2038. Weder für die traditionellen Sportarten noch für jene, die erst kürzlich dazugekommen sind. Geschweige denn für jene, die in den nächsten zwölf Jahren noch dazukommen werden.