Als der US-Präsident im April seine neuen Zolltarife präsentierte, hielt die Welt den Atem an. Für die Schweiz bedeutet dies einen Zollansatz von 31 Prozent – eine Katastrophe für die Exportwirtschaft.
Schnell gleiste man Verhandlungen auf, schickte Bundesräte und Unterhändler in die USA. Und gerade als man dachte, dass die Schweiz mit einem blauen Auge davonkommen würde, kam es noch schlimmer als erwartet.
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Ende Juli wollte sich Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter mit dem US-Präsidenten über Zolltarife austauschen, aber das Telefonat eskalierte. Trump fühlte sich von der Bundesrätin oberlehrerhaft und nicht respektvoll behandelt. Worauf er die Zölle für Schweizer Waren gar auf 39 Prozent hochschraubte.
Es war ein Desaster – und führte zu einer grossen Kontroverse im Parlament und in den hiesigen Medien. Dabei flogen Keller-Sutter auch frühere Aussagen um die Ohren, wonach sie den Draht zum US-Präsidenten gefunden habe. Ihre Wahrnehmung beruhte offensichtlich auf einem Missverständnis.
Die Beliebtheitswerte der Finanzministerin fielen in den Keller. Plötzlich war nicht mehr von der starken Frau im Bundesrat die Rede, sondern von der Politikerin, die den Zolldeal vermasselte und dem Land Schaden zufügte.
Am Ende musste Vize-Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin den Scherbenhaufen kehren. Er schickte zuerst Unternehmer ins Weisse Haus, die das Terrain bei Trump vorbereiteten für weitere Verhandlungen.
Bereits im Dezember konnte der SVP-Bundesrat dann die Öffentlichkeit darüber informieren, dass die US-Zölle auf Schweizer Waren von 39 Prozent auf 15 Prozent gesenkt werden. Eine beachtliche Leistung.