Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat die Kritik von Papst Leo XIV. an einer angeblichen Einschränkung der Meinungsfreiheit im Westen als «unschlüssig» bezeichnet. Die Aussagen des Papstes seien zu unkonkret, sagte Marx laut dem Domradio. «Ich bin unschlüssig über dieses Zitat, weil ich nichts damit anfangen kann», erklärte der Erzbischof von München.
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Papst Leo XIV. hatte in seiner Neujahrsansprache erklärt: «Es ist bedauerlich, festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschliessen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist.»
Marx sagte dazu, es bleibe unklar, worauf sich der Papst konkret beziehe. Die Aussagen könnten sich auf US-Präsident Donald Trump ebenso beziehen wie auf viele andere Situationen. Einschränkungen der Meinungsfreiheit gebe es nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern. «Aber da muss man schon genauer hinschauen», sagte Marx.
Der Kardinal erklärte weiter, er hätte sich eine deutlichere Wortwahl gewünscht. «Ich hätte da knalliger gesprochen. Aber ich bin ja nicht Papst, Gott sei Dank.» Die Demokratie befinde sich derzeit in schweren Gewässern, viele hätten ihre Zerbrechlichkeit unterschätzt. Die Kirche müsse deshalb «den Mund aufmachen» und sich für Freiheit, Aufklärung und eine offene Gesellschaft einsetzen.