Deutschland ist laut Recherchen ein zentraler Knotenpunkt für Beschaffungsnetzwerke des iranischen Regimes. Die Zeitung Die Welt berichtet auf Basis eigener Investigativrecherchen, Auswertungen von Firmenregistern, Sanktionslisten und Behördenangaben, Teheran nutze Firmenstrukturen, um «verdeckt Materialien – häufig für den militärischen Einsatz – zu beschaffen» .
Philipp von Ditfurth/DPA/Keystone
Die Journalisten identifizierten insbesondere in Nordrhein-Westfalen ein dichtes Geflecht von Firmen mit Iran-Bezug. Im Zentrum stehen Standorte in Essen und Düsseldorf, an denen Unternehmen gebündelt auftreten und Geschäfte koordinieren. Laut den Recherchen sollen über diese Strukturen Maschinen, Ersatzteile und Technologie exportiert worden sein, darunter auch Komponenten für Helikopter.
Die Welt stützt sich dabei auf US-Sanktionsentscheidungen, Ermittlungen deutscher Behörden sowie eigene Vor-Ort-Recherchen. So wurde ein Unternehmer in Essen von den USA sanktioniert, während die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen möglicher Verstösse gegen das Aussenwirtschaftsgesetz aufgenommen hat.
Der deutsche Verfassungsschutz bestätigte gegenüber der Zeitung die grundsätzliche Bedrohungslage. Demnach sei zu erwarten, dass der Iran beschädigte Infrastruktur gezielt mithilfe illegal beschaffter Technologie aus Europa wieder aufbaut. Im Fokus stehen sogenannte Dual-Use-Güter mit ziviler und militärischer Verwendung.
Zusätzlich rekonstruierten die Reporter Finanzstrukturen rund um staatlich kontrollierte Beteiligungsgesellschaften. Diese verwalten Vermögen in Europa und ermöglichen Investitionen trotz Sanktionen. Verbindungen führen auch in die Schweiz, wo Firmen als Drehscheiben für Kapitalflüsse dienen.
Die Recherchen zeichnen das Bild eines über Jahre gewachsenen Netzwerks. Während die USA früh eingriffen, reagierte die EU erst spät. Offene Fragen zu möglichen Sanktionslücken bleiben.