Nach dem Felssturz in Blatten: Einige unserer Alpentäler werden auf Dauer nicht mehr bewohnbar sein. Diese Debatte müssen wir aber erst noch führen
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Nach dem Felssturz in Blatten: Einige unserer Alpentäler werden auf Dauer nicht mehr bewohnbar sein. Diese Debatte müssen wir aber erst noch führen

Die Nachrichten und Bilder von der beispiellosen Naturkatastrophe in Blatten haben die Schweiz erschüttert. Ein ganzes Dorf liegt unter Geröll- und Gletschermassen begraben. Was vom Ort übrig blieb, versank Stunden später in den Fluten der aufgestauten Lonza.

Nach diesem Totalverlust hiess es sofort: Blatten wird wieder aufgebaut. Diese Reaktion ist verständlich. Doch die Frage wird in Zukunft nicht sein, ob es Sinn macht, dieses Dorf wieder aufzubauen, sondern ob derartige Täler wie das Lötschental wie bisher bewohnbar sein sollen. Und ob die dafür notwendigen Anpassungen in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen. Der Berg- und Gletschersturz von Blatten hat nicht bloss den Ort komplett zerstört, vielmehr hat er auch die tiefer gelegenen Orte dieses einzigartigen Tals – Wiler, Kippel und Ferden – gefährdet.

© KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
KEYPIX - Water from the Lonza river flows over the mud and stone, to form of a lake flooding the last houses of the village of Blatten, Switzerland, Friday, May 30, 2025
© KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT

«Bergler» sind hart im Nehmen. Das hat man in Gondo gesehen, wo vor zwanzig Jahren die Hänge ins Rutschen kamen. Das Dorf wurde entzweigerissen, dreizehn Menschen verloren ihr Leben. Damals standen die Behörden vor dem schwierigen Entscheid: den Ort aufgeben oder ihn neu aufbauen. Sie entschieden sich für den Wiederaufbau. Das liegt auch daran, dass die Leute ihre engere Heimat nicht verlassen wollen, weil sie mit ihr tief verbunden sind.

In Derborence im Unterwallis, wo sich im 18. Jahrhundert gleich mehrere gewaltige Bergstürze ereigneten und das Wasser der Bäche zu einem kleinen See staute, war es einfacher, dieses Tal für die Besiedlung zu sperren. Dort gab es vor dem Bergsturz lediglich ein paar Alphütten. Heute steht die Region unter Naturschutz. In Blatten und im Lötschental wohnen hingegen Hunderte von Menschen seit Generationen, die ihr Zuhause niemals aufgeben werden, hier ruhen auch ihre Ahnen auf den Friedhöfen.

Das Thema Umsiedlung könnte auch für den Tourismusort Kandersteg schnell aktuell werden. Oberhalb des malerischen Oeschinensees sind Millionen Tonnen Fels und Geröll in Bewegung, und eine Evakuierung ist ein mögliches Szenario. Brienz ist bereits jetzt ein Geisterdorf. Man kann sich nicht vorstellen, dass die Bewohner einst wieder zurückkehren können.

Wir brauchen heute eine Anpassungsstrategie, die nicht bloss die Überwachung der sich verändernden Permafrostgrenze festhält, die Resilienz der Wälder verbessert oder den Bau von Dämmen und Schutzeinrichtungen vorsieht.

Wir benötigen auch Pläne und Konzepte für die Umsiedlung ganzer Alpentäler und gefährdeter Dörfer. Da kommen noch schwierige, sehr schwierige Entscheidungen auf uns zu – besonders nach dem Felssturz von Blatten.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.