Es klingt in den Ohren derer, die nichts anderes hören wollen, wie eine Verheissung: Die AfD stösst an ihre Grenzen. Immer dann, wenn es um echte Machtteilhabe geht, scheitert die rechte Partei. Als Beweis dienen die Stichwahlen in Deutschlands grösstem Bundesland Nordrhein-Westfalen vom Wochenende: Nirgends hat sich einer der AfD-Kandidaten durchsetzen können. Wenn es darauf ankommt, verlieren sie, heisst die Mainstream-Schlussfolgerung. Reale Machtpositionen in den Rathäusern gewinnen die anderen, lautet der sich selbst beruhigende Tenor all derer, die das so sehen wollen.
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Diese scheinbare Harmonie wird tatsächlich jedoch durch Dissonanzen gestört. Und zwar solche, die das wirkliche Bild besser nachzeichnen. Tatsächlich nämlich gewinnen die anderen nur noch, wenn sie sich alle zusammenschliessen. CDU, SPD, Grüne und die derzeit kläglichen Reste der FDP müssen in einer gemeinsamen Kraftanstrengung, wie sie bei Stichwahlen nötig ist, den Kandidaten oder die Kandidatin der AfD niederringen.
Es geht nur noch mit Blockbildung: Hier die AfD und dort der Rest der politischen Welt. Deutschland wird zum Zweiparteienland. Die Brandmauer entfaltet ihre ganz Wirkung. Wer Kompromiss und Rücksichtnahme auf kleinere Koalitionspartner als demokratisches Prinzip hochhält, kann das nicht wollen.
Und zweitens: Tatsächlich wirkt diese Methode nur noch bei einer Kommunalwahl im Westen. Im Osten dagegen ist die Landkarte deutlich tiefer in AfD-Blau gefärbt. Dort sind absolute Mehrheiten von AfD-Bürgermeister und – Landratskandidaten absehbar.
Was daraus folgt: Der Durchmarsch der Alternative ist nicht aufgehalten. Im Gegenteil: Ihre Chancen auf Teilhabe an der Macht steigen von Wahl zu Wahl. Das mögen AfD-Fans als Verheissung empfinden. Für alle anderen ist aber auch der Ausgang der jüngsten Stichwahlen eine Warnung.