In Zehdenick, einer Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohnern nördlich von Berlin, sorgt der Fall des Bürgermeisters Alexander Kretzschmar für Empörung – und möglicherweise hohe Kosten. Der parteilose Ex-Polizist trat sein Amt im März 2025 an, meldete sich jedoch nur elf Tage später krank. Seitdem gilt er als dienstunfähig. Die Stadtverordnetenversammlung hat nun einstimmig ein Abwahlverfahren eingeleitet.
«Man hört immer nur, dass der Bürgermeister wieder krankgeschrieben ist, wieder nicht da ist», erklärte ein Sprecher einer Bürgerinitiative zur Zeitung Die Welt. Diese sammelt bereits Unterschriften für seine Abwahl. Der Vorgang kommt die Stadt teuer zu stehen: Da Kretzschmar nicht freiwillig zurückgetreten ist, muss ein offizieller Bürgerentscheid organisiert werden, dessen Kosten zwischen 13.000 und 14.000 Euro liegen sollen.
Hinzu kommt ein potenzieller finanzieller Anspruch: Laut Bild stehen Kretzschmar Versorgungsbezüge bis 2033 zu – darunter drei Monate volles Gehalt und danach fünf Jahre lang 71,75 Prozent der Endstufe der Besoldungsgruppe A16, was derzeit etwa 8663 Euro im Monat entspricht.
Kretzschmar weist die Vorwürfe zurück. In der Märkischen Allgemeinen Zeitung erklärte er, alles getan zu haben, «um schnell gesund zu werden». Ein medizinisches Gutachten vom August habe eine Rückkehr ins Amt in Aussicht gestellt. Dass diese Einschätzung im Abwahlbeschluss nicht berücksichtigt worden sei, sieht er als Grund, einen Rücktritt abzulehnen. Er spricht von «Falschbehauptungen» und «Weglassen von Tatsachen».
Der Bürgerentscheid ist für den 25. Januar 2026 angesetzt. Bereits zwei Vorgänger von Kretzschmar waren vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden.