Nach der Absetzung von Moderatorin Julia Ruhs beim NDR haben Mitarbeiter in einer internen Videokonferenz schwere Vorwürfe gegen die Senderführung erhoben. Laut internen Protokollen, die der Berliner Zeitung vorliegen, schilderten mehrere Teilnehmer, sie hätten Angst, im Haus die «falsche Meinung zu haben». Ein Mitarbeiter von NDR Info sagte, er habe eine frühere Versammlung gemieden, weil Kritiker dort pauschal als «Rechtsextreme» bezeichnet worden seien.
THOMAS EISENKRÄTZER / KEYSTONE
Der Konflikt spaltet die Belegschaft: Während einige den Umgang mit Ruhs kritisieren und mangelnde Meinungsvielfalt beklagen, sehen andere in ihr selbst das Problem. Ruhs war nach nur einer Folge der Sendung «Klar» als Moderatorin abgesetzt worden, nachdem sie die Migrationspolitik scharf kritisiert hatte. Ein Mitarbeiter berichtete nun offen, den internen Brief gegen Ruhs mitunterzeichnet zu haben – obwohl die Senderleitung bislang eine Kampagne bestritten hatte.
Die Direktorin des Landesfunkhauses Niedersachsen, Andrea Lütke, sprach von einem «kommunikativen GAU». Man müsse «Kulturkampf lernen», so Lütke. Auch die stellvertretende Intendantin warf Ruhs schlechten Stil vor. Rund hundert Mitarbeiter nahmen an der Versammlung teil.