Eine neue Lehrerin konnte an einer Primarschule in Eschenbach im Kanton St. Gallen ihre Stelle nicht wie geplant antreten. Eltern hatten interveniert, weil die muslimische Frau Kopftuch trägt und das auch im Schulzimmer so halten wollte. Die Schulgemeinde reagierte auf die Kritik und verzichtete auf eine Anstellung. Die Weltwoche berichtete.
Im St. Galler Tagblatt äussert sich nun der St. Galler Stadtrat Mathias Gabathuler (FDP), der für Bildung zuständig ist. Derzeit unterrichte dort niemand mit Kopftuch, aber nach den Sommerferien beginne eine Muslima ihre Arbeit, die das tue. In der Stadt St. Gallen sei das erlaubt.
Auf die Frage, wie er bei Reklamationen durch Eltern reagieren würde, sagt Gabathuler, er gehe davon aus, dass ein Kopftuch hier keine Aufregung auslösen würde. Denn: «Im Urbanen sind wir da weiter, offener und diverser.»
Käme es dennoch zu Kritik, würde er aber «nicht einknicken», so der FDP-Stadtrat weiter. Handeln würde er erst, wenn der Unterricht für religiöse Indoktrination missbraucht werden würde – aber dasselbe gelte bei einer christlichen Lehrkraft.
Einen Stadt-Land-Graben sieht Mathias Gabathuler nicht, wiederholt aber seine These: «Klar ist: In der Stadt gehen die Leute anders um mit Menschen anderer Kulturen und Religionen auf dem Land.»
Falls es tatsächlich bisher keinen Graben zwischen Stadt und Land gab, dann hat der St. Galler Stadtrat ihn nun soeben aufgerissen. Mit seinem Pauschalurteil über Menschen in der ländlichen Region, die er sinngemäss als Hinterwäldler darstellt, die eben einfach weniger «weit» seien als Städter.