Es ist wahrlich eine intellektuelle Geisterfahrt, die uns hier aus den akademischen Elfenbeintürmen entgegenschallt. Wenn ein profilierter Staatsrechtler wie Professor Thomas Cottier nun die Axt an das Fundament unserer Schweiz legt, dann müssen bei jedem Freiheitsliebenden die Alarmglocken schrillen. Die Neutralität als «Auslaufmodell» abzutun oder sie gar als Hindernis für eine vermeintliche Sicherheit unter dem Nato-Schirm darzustellen, verkennt die historische Tiefenstruktur unseres Landes. Diese Neutralität ist keine Schönwetter-Option, die man bei der ersten geopolitischen Brise über Bord wirft, sondern sie ist die Lebensversicherung der Schweiz – bewährt über Jahrhunderte, kriegsverhindernd und identitätsstiftend.
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Dass nun ausgerechnet die akademische Elite die Unterwerfung unter fremde Richter und fremde Generäle predigt, ist ein bedauerliches Zeichen. Wer die Neutralität opfert, opfert die Souveränität. Wer sich in die Blockbildung treiben lässt, macht sich zum Spielball fremder Mächte und verliert die Fähigkeit, als glaubwürdiger Vermittler auf der Weltbühne aufzutreten. Es ist geradezu grotesk: In einer Welt, die immer tiefer in Konflikte rutscht, wollen unsere eigenen Experten das einzige Instrument zertrümmern, das uns bisher vor dem Schlimmsten bewahrt hat.
Die Schweiz muss zurück zur bewaffneten, integralen Neutralität. Bleiben wir unabhängig, bleiben wir kritisch – und vor allem: Bleiben wir neutral.
