Mittwochabend: Lausanne-Sport spielt in Yverdon um den Schweizer Cup, der Goalie Karlo Letica steht im Tor – und kurz darauf im Nebel. Hinter ihm seine «Fans», davor Rauch, dazwischen die Schweizer Fussballrealität: Pyroverbot auf dem Papier, Feuerwerk auf den Tribünen.
Auf SRF klingt das ungefähr so: «Ja, jetzt hat’s halt wieder ein bisschen Rauch.» Ärgerlich, aber was soll man machen? Das Spiel wurde mehrfach unterbrochen, die Kamera suchte verzweifelt nach Konturen, der Schiedsrichter nach der Mittellinie und der Torhüter nach seinen eigenen Verteidigern.
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Der Mann in Neongelb fuchtelte wütend Richtung Fanblock, als wolle er sagen: «Ich würde hier gern arbeiten.» Antworten bekam er keine. Im Schweizer Fussball gilt offenbar die einfache Regel: Wer zündelt, bestimmt die Szenerie.
Dass dieses Theater ausgerechnet die Fans von Lausanne hinlegen, hat eine gewisse Ironie. In der Stadt diskutiert man seit Monaten über Randale, Krawallnächte und Sicherheitskonzepte. Im Stadion gibt es das alles im Abo. Gewalt im urbanen Raum heisst «besorgniserregend», Gewalt im Fussball heisst «Fankultur».
International ist man schon weiter – allerdings nicht im Positiven. In halb Europa werden Spiele abgebrochen, weil sich Tribünen in Kriegsbühnen verwandeln. In Zürich diskutiert man derweil ernsthaft, ob man mit «mehr Dialog» und «Fanprojekten» dem Böller werfenden Vollprofi beikommt, für den Familien, Kinder und echte Fussballfans bloss Statisten in seiner durchgeknallten Show sind.
Und dann verliert Lausanne dieses Spiel auch noch 2:1 in der Verlängerung – gegen den Unterklassigen. Man muss kein schlechter Mensch sein, um da kurz mit den Schultern zu zucken und zu denken: Wer das eigene Team einnebelt, braucht sich über Orientierungslosigkeit auf dem Platz nicht zu wundern.