Nicht 48 Stunden nach seiner Vereidigung setzt Rudi Berli bereits ein erstes Ausrufezeichen. Der neue Grüne-Nationalrat aus Genf, der für den in die Kantonsregierung gewählten Nicoals Walder nachgerutscht ist, sagt Ja zum Abschuss von Wölfen auch im Jagdbanngebiet.
Damit ist Berli der einzig nominell Linke im Nationalrat, der einer entsprechenden Motion von SVP-Ständerätin Esther Friedli zugestimmt hat. Das habe innerhalb der Grüne-Fraktion schon zu Reden gegeben, schmunzelt Berli auf Anfrage.
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Für ihn sei derweil klar: Der Wolf gehöre zur Schweizer Fauna, sei gleichzeitig aber auch eine Gefährdung der Alpwirtschaft sowie der Wildbestände. «Deshalb muss der Wolf reguliert werden – wenn nötig auch im Banngebiet.»
Er habe seine abweichende Meinung der Fraktionsleitung im Vorfeld der Debatte angemeldet, sagt der Gemüsebauer. Als gewählter Grüner werde er selbstredend die Positionen der Partei vertreten, sich aber im Einzelfall nicht davor scheuen, von der Fraktion abzuweichen.
Berli sorgte bereits vor seiner Vereidigung für Gesprächsstoff. Er lebt im grenznahen Frankreich und pendelt jeden Tag nach Genf. Nun hat der Grenzgänger am Mittwoch gezeigt, dass er auch im Nationalrat bereit ist, hin und wieder politische Grenzen zu überwinden.