Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wirft US-Präsident Donald Trump vor, mit seinen Äusserungen und Forderungen die Nato zu schwächen. Macron sagte in Seoul: «Wenn man jeden Tag Zweifel an seinem Engagement nährt, dann höhlt man die Substanz aus.» Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Auslöser der Kritik sind Trumps Forderungen nach einem militärischen Einsatz der Nato zur Öffnung der Strasse von Hormus sowie seine Vorwürfe an Verbündete. Trump hatte die Allianz als «Papiertiger» bezeichnet und mangelnde Unterstützung beklagt. Macron widersprach deutlich und betonte, der Wert des Bündnisses beruhe auf Vertrauen und Verlässlichkeit. «Man kann nicht jeden Tag das Gegenteil dessen sagen, was man am Vortag gesagt hat», erklärte er.
Eine militärische Öffnung der strategisch wichtigen Meerenge hält Macron für «unrealistisch». Ein solcher Einsatz würde lange dauern und erhebliche Risiken für die Schifffahrt mit sich bringen. Stattdessen plädiert Paris für eine diplomatische Lösung. Eine sichere Passage könne nur «im Einvernehmen mit Iran geschehen», so Macron.
Frankreich treibt gemeinsam mit Partnern Gespräche innerhalb der G-7 voran, um nach einem Ende der Kampfhandlungen mögliche Sicherungsmassnahmen zu prüfen. Gleichzeitig distanziert sich Paris zunehmend von der amerikanischen Kriegsführung. Zwar hatte Frankreich die Angriffe zunächst unterstützt, kritisiert nun aber deren völkerrechtliche Grundlage und das Risiko einer weiteren Eskalation.
Macron äusserte zudem Zweifel, dass Luftschläge das iranische Atomprogramm dauerhaft stoppen können. Ohne Verhandlungen drohe eine erneute Zuspitzung innerhalb weniger Monate oder Jahre. Nur ein diplomatisches Abkommen könne langfristige Stabilität gewährleisten.