Nichts ist peinlicher, als ein ungebetener Gast zu sein. Man hängt herum wie bestellt und nicht abgeholt, derweil die Gastgeber süsssauer lächelnd versuchen, ein paar Minuten für den Besucher freizuschlagen, bevor er endlich verschwindet.
So erging es Bundesaussenminister Johann Wadephul nun in Washington. Nur dreissig Minuten fand Amtskollege Marco Rubio für ihn, nachdem er Termin nach Termin kurzfristig abgesagt hatte. Er hatte Wichtigeres zu tun.
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Händeringend versuchte die Botschaft, Ersatz zu finden. Doch auch im Kongress hatte niemand Interesse an einem Gespräch mit ihm. Schliesslich erbarmte sich Weltbankpräsident Ajay Banga, mit dem ein Aussenminister gar nichts zu tun hat. In New York gab’s noch einen warmen Händedruck vom UN-Chef. Das war’s.
Nun ähnelt der glücklose Wadephul nicht nur physiognomisch Don Quichotte. In Berlin ist es ein offenes Geheimnis, dass er nur Friedrich Merz’ zweite oder dritte Wahl war. Aber dieser Umstand zeigt, dass das Problem nicht auf seine Person beschränkt ist.
Einst waren Aussenminister wichtige und mächtige Mitglieder im Kabinett. Ihre Namen kannte man, gleich nach dem des Regierungschefs. Doch das ist vorbei, seit die Chefs das Feld der Aussenpolitik selber bestellen.
Wadephul ist keine Ausnahme. Wer kennt die Namen einer der zahlreichen Aussenminister, die Frankreich und Britannien in den letzten Jahren verschlissen haben? Auch bei den Supermächten sieht es nicht viel anders aus, abgesehen vom russischen Dino Sergei Lawrow.
Im selben Masse, in dem die Welt kleiner, enger und verzahnter wird, sollte man sich fragen, ob dieses Amt nicht überflüssig ist. Menschen mit diplomatischem Geschick kann man überall einsetzen. Da braucht es kein eigenes Ministerium.