Es gehört zu den Eigenheiten der britischen Politik, dass nicht nur die Regierungspartei ein Kabinett stellt. Die Oppositionsparteien versammeln ihre besten Köpfe in einem sogenannten Schattenkabinett, mit Innen- und Aussenminister und so weiter. Sie betreuen die gleichen Dossiers wie die Regierungsmitglieder – aber ohne Verfügungsgewalt.
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Nun hat erstmals die nationalkonservative Gruppierung Reform UK ihr Schattenkabinett vorgestellt. Damit geht Parteichef Nigel Farage ein politisches Risiko ein. Denn potenzielle Regierungsmitglieder, gleich welcher Couleur, neigen stets zur Selbstprofilierung.
Farage wird deshalb in absehbarer Zeit seine Führungsqualitäten beweisen müssen. Mit diesen hat er in der Vergangenheit nicht nur geglänzt. Er sah sich immer wieder von Abweichlern herausgefordert, die er nicht einfach in den Senkel stellen konnte. Allerdings belegt nun die Zusammensetzung seiner Kabinettscrew Ausgewogenheit. Zumal Farage der Versuchung widerstanden hat, mit Überläufern aus der Konservativen Partei eine Blaupause des rechten Tory-Flügels zu präsentieren.
Zwar sind mit Robert Jenrick und Suella Braverman einstige konservative Führungspolitiker dabei. Aber Farage hat seine eigenen Reform-UK-Leute nicht vergessen, allen voran eigenständige Charaktere wie den gewandten Industriellen Richard Tice oder den durchsetzungswilligen Zia Yusuf als Migrationsminister. Natürlich bietet Farage ihnen die Plattform in einem Schattenkabinett nicht selbstlos.
Er will vielmehr beweisen, dass Reform UK mehr ist als eine Farage-One-Man-Show. Mit dem Risiko, dass ihm einige im Schattenkabinett frech kommen werden.