Bei den Präsidentschaftswahlen in der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern hat der sozialdemokratische Kandidat Tufan Erhürman einen klaren Sieg errungen. Mit 62,8 Prozent der Stimmen setzte sich Erhürman bereits im ersten Wahlgang gegen den von Ankara unterstützten Amtsinhaber Ersin Tatar durch, der nur auf 35,8 Prozent kam. Das berichtet die deutsche Tageszeitung (Taz).
BIROL BEBEK / KEYSTONE
Der Wahlausgang gilt als deutliche Niederlage für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Während Tatar – ganz auf Erdogans Linie – eine Zweistaatenlösung propagierte, plädiert Erhürman für die Rückkehr zu Verhandlungen mit dem griechischen Südzypern. Ziel sei ein föderaler, gemeinsamer Staat Zypern – mit Annäherung an die Europäische Union.
Die politische Wende spiegelt den wachsenden Unmut der türkisch-zypriotischen Bevölkerung über die wirtschaftliche Abhängigkeit von Ankara wider. Während Südzypern EU-Mitglied ist und wirtschaftlich profitiert, leidet der türkische Norden unter Isolation, wirtschaftlicher Stagnation und wachsender Armut. Kritiker sprechen von einem «Kasinokapitalismus», der wenige Profiteure begünstigt.
Der griechisch-zyprische Präsident Nikos Christodoulides gratulierte Erhürman zum Wahlsieg und zeigte sich offen für neue Gespräche. Eine Wiedervereinigung Zyperns dürfte allerdings nur gelingen, wenn sowohl die Türkei als auch Griechenland bereit sind, sich aus dem Konflikt zurückzuziehen und die Verhandlungen den Zyprioten selbst zu überlassen.