Die Schweiz hat den ESC 2025 in Basel mit Spektakel, Humor und Herzblut organisiert. Die Halle vibrierte, die Moderation (Hunziker, Brugger, Studer) war Weltklasse und der Beitrag von Zoë Më («Voyage») elegant, subtil, künstlerisch – ein Fest für die Jury. 214 Punkte gab’s dort. Nur das Publikum – die grosse demokratische Masse des ESC – stellte sich taub. Null Punkte.
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Wie konnte das passieren?
Ganz einfach: Die Schweiz hatte beim ESC-Publikum das, was man einen strategischen Totalausfall nennt. Ein Land ohne schlagkräftige Diaspora, ohne Tiktok-Armee, ohne Balkan-Fanfaren. Ein neutraler Zwerg im Meer der Massenidentitäten.
Die Schweiz ist kein Land, das mobilisiert – abgesehen von Zuwanderung. Sie zieht Menschen an, gibt sich multikulturell. Aber sie exportiert keine Emotion. Ihre Bürger sind bescheiden und zurückhaltend – und selbst wenn diese gewollt hätten, konnten sie gestern für Zoë Më gar nicht abstimmen.
Schuld daran ist ein struktureller Nachteil: Beim ESC darf niemand im eigenen Land für den eigenen Beitrag stimmen – das gilt für alle. Im Klartext: Nur Menschen im Ausland können per kostenpflichtigem Televoting-SMS für ihr Land voten. Und da wird’s für die Schweiz eng.
Denn während etwa die Türkei, Armenien oder Serbien auf riesige, weltweit vernetzte Diaspora-Communities zählen können, bleibt die Schweiz, wie so oft, einfach daheim.
Auch Israel, das auch musikalisch auffiel, schaffte es, seine globale Community zu aktivieren. Und Österreich? Traf mit Opernstimme, Popmelodie und Pathos direkt ins Herz der Massen – Jury wie Publikum.
Die Schweiz hingegen ist ein Einwanderungsland ohne Exportidentität. ESC-technisch ein perfekter Gastgeber – aber ohne Fanklub. So wurde «Voyage» zur Reise ohne Ziel: perfekt geplant, glänzend vorgetragen – und vom Publikum ignoriert.