Jetzt auch noch das. Nachdem Jan Böhmermann es vom Lokaljournalisten und Podcaster bis zum als Comedian getarnten öffentlich-rechtlichen Politaktivisten gebracht hat, versucht er sich auch noch als Kunstkurator. In Berlin betreut er eine Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt. Am Wochenende wurde sie eröffnet.
SOEREN STACHE / KEYSTONE
Nun muss man ehrlicherweise sagen, dass moderne Kunstkuratoren nicht immer den Eindruck erwecken, ihnen ginge es um Kunst oder gar das Schöne. Was in Museen und Galerien als zeitgenössische Kunst dargeboten wird, ist – von durchaus vorhandenen Ausnahmen abgesehen – zumeist dümmliche Politagitation ohne jeden ästhetischen Wert.

27.09.2025, Berlin: Der halbe Kopf einer aufblasbaren Freiheitsstatue, das Kunstwerk ·Status of Liberty· liegt in dem Gewässer vor dem Haus der Kulturen der Welt. Böhmermanns Ausstellung ·Die Möglichkeit der Unvernunft·. (Keystone/DPA/Annette Riedl)
Insofern kann auch ein Jan Böhmermann es kaum schlimmer machen als die studierten Kunsthistoriker, die sonst das zum Masochismus neigende Publikum malträtieren. Denn was seit Jahrzehnten unter Kunst präsentiert wird, hat mit Kunst in der Regel wenig zu tun. Zumeist handelt es sich um Produkte versuchter Kreativität, denen das Etikett «Kunst» in der Hoffnung umgehängt wird, dass das jemand glaubt.
Doch immerhin versuchen Kuratoren in der Regel ihre Gäste und Kunden zu überzeugen, mit ihnen zu reden, ins Gespräch zu kommen. Dem selbstgefälligen Politagitator des ÖRR ist das natürlich zu aufwendig. Böhmermann ist es schliesslich gewohnt, von oben herab zu agieren, arrogant und selbstgefällig.
Also untersagte er bei der Pressepräsentation seiner Ausstellung den anwesenden Journalisten die Benutzung ihrer Handys. Was in der Praxis bedeutet: keine Bild- und Tonaufnahmen. Vielleicht war diese Entscheidung aber auch ganz weise, denn was Böhmermann und sein Team für Kunst halten, ist der gängige Klamauk, der vorgibt, satirisch und entlarvend zu sein, aber nur geistlos ist. Beispiel: Eine Büste von Helmut Kohl aus einhundert Kilogramm Butter, die am 3. Oktober angeschnitten wird. Oder eine Montage der Anwaltsschreiben, die den Moderator in den letzte fünfzehn Jahren erreicht haben.
Was Böhmermann hier bietet, ist ein ungewollt ehrlicher Einblick in sein Denken – und in das unserer Gesellschaft: narzisstisch, selbstgerecht, krampfhaft locker, humorfrei, trotzig und ungebildet. Weshalb dieser Unfug mit dem Siegel des Kulturstaatsministers daherkommt, bleibt schleierhaft. Nur der Titel der Show ist ungewollt ehrlich: «The Possibility of Unvernunft».