Mit einer neuen Zahl über fehlende Fachkräfte versuchen die EU-Turbos aus der Wirtschaft, der Schweizer Bevölkerung Angst einzuflössen. So berichtete die NZZ kürzlich – gestützt auf eine neue Studie –, dass im Jahre 2035 460.000 Fachkräfte fehlen werden. Damit will man uns sagen, wir dürften auf keinen Fall die Zuwanderung an Arbeitskräften aus der EU abbremsen, weil die Wirtschaft sonst Probleme bekäme.
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Solche Studien werden fast schon inflationär erstellt – und zwar immer dann, wenn sich die SVP anschickt, mit einer neuen Initiative diese Art der Migration einzuschränken.
Was solche Prognosen tatsächlich taugen, lässt sich vielleicht ein Stück weit mit einem Beispiel aus 2016 aufzeigen. Damals bastelte das Parlament an der Nichtumsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative. Vor diesem Hintergrund wurde in den Medien prominent hervorgehoben, dass der IT-Branche 10.000 Fachkräften fehlten. Und dies zu einem Zeitpunkt, wo 3000 IT-Spezialisten Arbeitslosengeld bezogen.
Trotzdem beten Politikerinnen wie zum Beispiel SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer in der SRF-«Arena» und im «Sonntalk» von Tele Züri brav das Glaubensbekenntnis vom grossen Fachkräftemangels nach. Eigentlich müsste gerade sie es besser wissen.
Wenn so viele Fachkräfte fehlen, wie von Meyer beklagt, hätten dann die Löhne in den letzten Jahren nicht steil ansteigen müssen?
Gemäss dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) sind die Reallöhne heute nur minimal höher als 2015. Eine so schlechte Lohnbilanz habe es in der Geschichte des Lohnindexes seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie gegeben, schrieb SGB-Chefökonom Daniel Lampart.