1982 lag ganz Europa einer gewissen Nicole zu Füssen. Mit dem Lied «Ein bisschen Frieden» holte sie den Sieg bei der Vorläuferveranstaltung des heutigen «Eurovision Song Contest». Die pazifistische Botschaft des simplen Schlagers elektrisierte ganz Europa.
2025 ist die Welt eine andere. Der Song «Nein, meine Söhne geb’ ich nicht» des Liedermachers Reinhard Mey aus dem Jahr 1986 ist beim Sender SWR 1 nicht mehr erwünscht. Er wurde aus der traditionellen grossen Hitparade geworfen.
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Dort werden jeweils über 1000 Lieder aus einer ewigen Bestenliste rangiert und abgespielt. Im letzten Jahr lag der Antikriegssong von Mey auf Platz 13 von 1053 Songs, nun hat ihn die Redaktion des Senders aus der Liste entfernt.
Grund sei die aktuelle weltpolitische Lage, so die Begründung. Der Text, in dem Reinhard Mey klarstellt, er werde seine Söhne nicht in den Kriegsdienst schicken, könne als «Friedenskitsch» missverstanden werden. Zudem stehe das Lied im Widerspruch zu Waffenlieferungen an die Ukraine.
Mal abgesehen davon, dass den Hörern von SWR 1 die eigene Interpretation der Hitparade-Lieder durchaus zugemutet werden dürfte: «Friedenskitsch»? Unabhängig von der Weltlage ist die Botschaft, dass globaler Frieden erstrebenswert ist, auch vierzig Jahre später wohl noch im Grundsatz richtig. Ebenso die Einsicht, dass Dienst an der Waffe eine persönliche Gewissensfrage bleibt.
Der Ruf nach «Ein bisschen Frieden» ist verstummt. Nun gilt das Motto: «Ein bisschen mehr Aufrüstung bitte».
Wenn es dafür politische Mehrheiten gibt, dann soll es so sein. Aber ein Lied zu verbannen, weil sich dessen Autor eine friedliche Welt wünscht, ist eine neue Qualität in der grassierenden Cancel-Culture.