Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Autor zahlreicher Bücher und Fachtexte, spricht sich für einen stärkeren Schutz des Bargelds in der Schweiz aus.
Im Interview mit dem Blick hofft Binswanger am 8. März auf ein Ja zur Bargeldinitiative oder zum Gegenvorschlag. Entscheidend sei nur, dass das Bargeld in der Verfassung stehe. Das gebe eine «gewisse Garantie, dass in der Schweiz auch in Zukunft mit Bargeld bezahlt werden kann».
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Die Angst vor dem «gläsernen Bürger» sei berechtigt, weil sich das Zahlungsverhalten mit anderen Daten, beispielsweise den Bewegungsdaten im Handy, kombinieren lasse. So könne man schnell herausfinden, «wer was wann wo macht». Nur Bargeld sorge für Anonymität.
Der Ökonom spricht von einer «unheiligen Allianz zwischen Staat, Banken und Unternehmen.» Für sie alle sei es vorteilhaft, wenn das Bargeld zurückgedrängt werde. Das geschehe schleichend: «Der Zugang zu Bargeld wird eingeschränkt, Bankomaten werden abgebaut.»
Heute könne das Bargeld aufgrund der Gesetzeslage zwar nicht abgeschafft oder verboten werden, aber es verliere nach und nach an Bedeutung und werde an den Rand gedrängt. Zum Beispiel, indem Läden die Zahl ihrer bedienten Kassen ausdünnten und immer mehr auf self-checkout ohne Barzahlungsmöglichkeit setzten.
Wenn danach vermehrt notgedrungen mit Karte bezahlt werde, diene das dann als Beleg dafür, dass Barbezahlung gar nicht mehr gefragt sei. «Am Ende entsteht so eine sich selbst erfüllende Prophezeiung», so Mathias Binswanger.