Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat die von der CSU geplante Abschiebeoffensive für syrische Migranten als «schweren Fehler» bezeichnet. Die Folgen könnten gravierend sein: «Eine Abschiebeoffensive könnte die deutsche Volkswirtschaft erneut in die Rezession treiben, da kurzfristig mehrere Hunderttausend Jobs verlorengehen würden», sagte Fratzscher dem Handelsblatt.
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Anlass seiner Kritik ist ein Positionspapier zur CSU-Klausur in Oberbayern, das eine sogenannte Rückkehr-Roadmap für Syrer fordert. Die Christsozialen wollen demnach Rückführungen «notfalls auch gegen den Willen» der Betroffenen ermöglichen.
Auch Jens Südekum, Ökonom und Berater des Bundesfinanzministeriums, äussert Bedenken. «In so einer Lage macht es ökonomisch keinen Sinn, über Rückführungen im grossen Stil nachzudenken», sagte er dem Handelsblatt. Er verwies auf die schrumpfende Erwerbsbevölkerung in Deutschland und die Bedeutung von Menschen mit Migrationshintergrund für den Arbeitsmarkt. Besonders in Branchen wie Pflege, Logistik und Gastronomie sei deren Anteil hoch.
Fratzscher betonte, viele der seit 2015 Geflüchteten seien mittlerweile fester Bestandteil der Arbeitswelt. Eine Politik, die pauschal Rückführungen anstrebe, gehe an der Realität vorbei und schade der Wirtschaft.