John Bolton ist ein Mann der klaren Worte: Besser spät als nie kommentierte er die militärische Aggression der USA gegen Venezuela. Er hoffe, dass der regime change, für den er schon 2019 als nationaler Sicherheitsberater in der ersten Trump-Regierung gearbeitet hatte, nun auch vollends über die Bühne gehe. Er machte sich erst gar nicht die Mühe, über Drogen-Terror zu faseln. Venezuela darf nicht zu einem Einfallstor für die Chinesen, die Russen oder die Iraner werden. Auf der westlichen, sprich amerikanischen Hemisphäre, so auch der US-Aussenminister kürzlich im Interview, kann es nur einen geben, der die Puppen tanzen lässt.
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Wer sich nicht fügt, so wie das Regime von Maduro, wird zur Zielscheibe.
Nüchtern betrachtet hat John Bolton den wunden Punkt der bisherigen US-Operation erkannt: Das Beschiessen von Fischerbooten, die Bombardierung der Hauptstadt und das Kidnapping und Verschleppen des Ehepaars Maduro in die USA sind tatsächlich nur der erste Schritt für das Gelingen eines regime change. Am Ende, so die trumpsche Wunschvorstellung, sollen US-Energiegiganten in Venezuela das Ruder übernehmen, investieren, was das Zeug hält, damit das flüssige Gold wieder reichlich sprudelt und US-Raffinerien versorgt. Grosszügig versprach Trump, dass auch China nicht zu kurz kommen werde. Er werde liefern lassen. Für Trump ist es amerikanisches Öl, gestohlen durch die Venezolaner. Zudem gibt es Uranvorkommen und Gold. Früher war Venezuela ein Eldorado für die USA. Aber dann kam schrittweise die Nationalisierungspolitik und 2007 schliesslich die Enteignungen der grossen US-Ölfirmen, die sich nicht als Minderheitseigentümer unter die Fuchtel des staatlichen Ölkonzerns pressen lassen wollten. Wirtschaftliches Missmanagement und schwere westliche Sanktionen ab 2014 brachten das Land in eine katastrophale wirtschaftliche und soziale Lage. Wurden auch Wahlen gefälscht?
Die Maduro-Regierung tat alles, die westlichen Sanktionen zu unterlaufen, um an Geld zu kommen. Sie trat den Brics bei. Schlimmer noch, Russland und China eilten Venezuela zu Hilfe. Auch Kuba. Alle drei Länder lieferten beispielsweise in der Corona-Pandemie Impfstoffe. China gab Kredite für den Wiederaufbau der Ölförderung. Trotz westlicher Sanktionen erkannten viele lateinamerikanische Länder das Maduro-Regime an.
Noch ist völlig offen, ob sich Trump das Wohlverhalten des aktuellen Regimes, das nun unter Leitung der bisherigen Vizepräsidentin steht, erzwingen kann. Die zeigte sich bisher öffentlich noch nicht einsichtig. Aber Trump konnte sich eines fast ungeteilten Beifalls aus beiden politischen Lagern und der meisten US-Medien gewiss sein. Auch der Alliierten. Er verhielt sich so, wie man das von einem US-Präsidenten erwartet: Erst drohen, dann militärisch zuschlagen. Die Uno-Charta zählt nicht. Eine spektakuläre Geiselnahme wurde mitgeliefert. Das macht vieles vergessen: die Ukraine, Russland, die Epstein-Akte.
Gelingt der Trump-Regierung die Verfügung über den Reichtum Venezuelas, wird der grosse Schuldenberg der USA gar nicht mehr so erschreckend hoch ausfallen. Schliesslich verfügt sie dann über sehr viel mehr «Sicherheiten».
Petra Erler ist eine deutsche Politikberaterin und Sachbuchautorin. Zuletzt von ihr erschienen (zusammen mit Günter Verheugen): «Der lange Weg zum Krieg. Russland, die Ukraine und der Westen: Eskalation statt Entspannung». Heyne. 336 S., Fr. 37.90