Der Iran verdient trotz Krieg deutlich mehr am Ölgeschäft, während andere Golfstaaten Einbussen erleiden. Das berichtet The Economist unter Berufung auf eigene Recherchen und anonyme Quellen aus Irans Ölsektor.
Demnach exportiert der Iran derzeit 2,4 bis 2,8 Millionen Barrel pro Tag, ähnlich viel wie vor Kriegsbeginn, erzielt jedoch deutlich höhere Preise. Gleichzeitig ist die Strasse von Hormus weitgehend blockiert, wodurch rund 15 Prozent des globalen Ölangebots ausfallen. Während andere Produzenten ihre Exporte reduzieren mussten, profitiert Teheran von steigenden Preisen und stabilen Lieferketten.
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Zentral ist laut Bericht die Rolle der Revolutionsgarden. Ein grosser Teil der Einnahmen fliesst direkt an diese Eliteeinheit. Das Exportgeschäft ist stark fragmentiert: Staatliche Stellen, religiöse Stiftungen und ein Netzwerk von rund zwanzig einflussreichen Akteuren verkaufen Öl eigenständig und umgehen so Sanktionen. Diese Struktur erschwert gezielte Angriffe und erhöht die Widerstandsfähigkeit.
Auch die Logistik wurde angepasst. Tanker bewegen sich unter hoher Geheimhaltung, nutzen alternative Routen und schalten Transponder gezielt ab. Teilweise werden Ladungen auf hoher See umgeladen, etwa vor Malaysia oder Singapur. Für die Passage durch die Strasse von Hormus verlangen iranische Kräfte laut Bericht teils Millionenbeträge.
Abnehmer ist vor allem China, das über 90 Prozent des iranischen Öls aufnimmt. Unabhängige Raffinerien sichern sich die Lieferungen, oft über verschachtelte Finanzkonstruktionen. Zahlungen laufen über ein Geflecht aus Briefkastenfirmen und Konten, vorwiegend in Asien, was die Nachverfolgung erschwert.
Die Folge: Trotz militärischem Druck bleibt Irans Ölmaschine intakt und generiert hohe Einnahmen. Ein vollständiger Einbruch erscheint laut Bericht nur bei massiven Angriffen auf die Energie-Infrastruktur realistisch.